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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
Entstehung
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Vom Umbruch bis zum Staatsvertrag

Für den Juli 1947 heißt es: Die mangelnde Versorgung treibt die Profit-gier an: Ein Schuhmacher verlangt für ein Paar Kinderschuhe 52 Schil-ling. Das war die Zeit, als viele kleine Staatsangestellte 150 Schillingim Monat verdienten( und froh waren, wieder eingestellt zu sein).

Die Warenbeschaffung- Lebensmittel und Kleidung, aber auch Warenaller Art- erfolgte auch durch Tausch: direkt, über Zettel und Zeitungs-annoncen, über improvisierte oder organisierte Tauschbörsen. DasAngebot war nicht eingeschränkt, es umfasste sogar Stellenangebote undStellungssuchende.( Es war also auch eine Jobbörse). Gesucht wurdenvor allem Bekleidung und Schuhe, notwendige Materialien, aber auchHerde. Im Oktober 1945 erwirbt eine Grazerin gegen ein Schwein und 30Liter Wein einen Tischherd. 23 Ein Foto zeigt das Geschäftsleben" 1945:Auf den Planken zerstörter Verkaufslokale 24 waren Zettel mit Tauschan-geboten, Suchanzeigen und Bitten um Arbeitsvermittlung angebracht.25Im Annoncenteil der Zeitungen- das, Steirerblatt" erschien bereits abdem 26. Oktober 1945- wurden Waren gesucht und angeboten.Dazu kamen Tauschzentralen, die als Bank des kleinen Mannes" be-zeichnet wurden. In Graz gab es zwei. Die erste, genannt ,, TauschzentraleGraz", wurde am 14. Jänner 1946 in den Räumen des Pfandleih- undVersteigerungsamtes in der Bürgergasse eröffnet. Am 16. Jänner 1947folgte eine zweite Tauschzentrale( Filiale der Zentrale in Wien); siebefand sich am Joanneumring 5 und verfügte, wie das Inserat anlässlichder Eröffnung verkündete, über Tausende Tauschstücke".

Generell

,, lässt sich sagen, dass sich die Menschen in erster Linie mit den aller-notwendigsten Dingen für den täglichen Bedarf, seien es Schuhe, Beklei-dung, Möbel, Herde versorgten. Daneben waren es vor allem Fahrräder, diein dieser spritarmen Zeit einen hohen Stellenwert besaßen. Getrennt hatman sich von Dingen, die in diesem Moment nicht gebraucht wurden. Dazugehörten vor allem Musikinstrumente, Bücher, aber auch Pelze undSchmuckstücke. Für einige ergab sich dadurch auch die Gelegenheit, Ob-jekte günstig zu erwerben, die sonst unerschwinglich gewesen wären." 26

22 Ebd.

23 Ebd., S. 8.

24 Die zerstörten Geschäftslokale waren mit Planken vermacht.

25 Kurier Sondernummer

26 Herta Jehsenko: Alltagsbewältigung 1945-1955: Tauschhandel und Delikte. Unver-öffentlichtes Manuskript, verfasst im Sommersemester 2002 für das Privatissimumfür DissertantInnen an der Universität Graz.

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