Hermann Steininger
einem von ihm und Richard Kuser verfassten Buch über die Radiatoren-fabrik in Wiener Neustadt schildern sie etwa die schweren Arbeitsbedin-gungen für die Arbeiter bis in die Nachkriegszeit; 24 einer Arbeit, die nichtjeder schaffte, in der Gießerei, der Kernmacherei, im Ofenhaus und inder Gussputzerei- pro Schicht bis zu 172 Formkastenteile aufschaufeln,stampfen, die Form verdichten, die rund 130 kg schweren Teile heben,wenden, tragen, aufstapeln- für eine Zweimannpartie eine enormeTagesleistung. Danach folgte das Abgießen in der Hitze vor dem Ofen;harte Arbeit war auch das Putzen der Gussstücke. In späteren Jahren sinddann wohl maschinelle Arbeitserleichterungen eingeführt worden, aberdie Hitze am Ofen ist geblieben, und wenn früher 20 bis 30 Tonnen Gusserzeugt wurden, so sind es heute( 1987) 60 Tonnen. Die manuelle Bela-stung ist geringer geworden, aber der Stress viel größer. Der Angestellten-bereich lebt heute mit der EDV, und auch dort wurde stark rationalisiert.Der Belegschaftsvertreter Adi Mayer formuliert:
,, Die Belegschaft ist eine große Familie, und das gilt auch für die Gastar-beiter, von denen viele nicht mehr nach Hause wollen. Vor allem dieJungen sind längst bei uns heimisch geworden."
Aus einer anderen Region der Metallverarbeitung, dem Traisental, heißtes über die Arbeitsbedingungen der letzten Jahrzehnte: Trotzdem siehtsich die Arbeiterbewegung, die sich heute auf starke Kammern und aufihre Gewerkschaften stützen kann, auch im Oberen Traisental mit denErscheinungsformen der verstärkten Rationalisierung, einem erbarmungs-losen Verdrängungswettbewerb besonders in den traditionellen Industrie-zweigen konfrontiert. In den letzten Jahren musste man tiefe Einbrücheim Ertrag und damit auch in den Beschäftigungszahlen hinnehmen.Anderswo im Viertel unter dem Wienerwald, in Pottendorf, wurde dieeinst größte Baumwollspinnmanufaktur der Monarchie und eine derbedeutendsten in Europa 1977 endgültig geschlossen. Die individuelleLebensgestaltung der arbeitenden Bevölkerung war durch die im Ortbefindliche Fabrik definiert. Inge Weinberger- Graf beschreibt die Zeitdavor, und zwar die Weihnachtsfeier des Unternehmens für die Kinderder Arbeiter und Angestellten:
,, Wo aber alle Kinder von Angestellten und Arbeitern ihren Platz hatten,das war die Spinnerei- Weihnachtsfeier! Sie fand in[...] einer riesigenMaschinenhalle neben dem Hauptgebäude( statt). Heute werden für künst-
24 Karl Flanner u. Richard Kuser: Am fließenden Eisen. Die Geschichte der Radiatoren-fabrik in Wiener Neustadt. Wiener Neustadt 1987, S. 20-22, 43 u. 75-81.
124