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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
Entstehung
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Hermann Steininger

Neuzugezogene, die sich mit ihrem neuen Lebensraum voll identifizierenwollen. Probleme, meist wirtschaftlicher Art, tauchen in diesen Zonenauf, wenn nahe ältere Geschäftszentren in Altstadtlagen veröden unddiese oder Gemeindeverwaltungen darauf nicht oder nicht flexibel genugreagieren. Niederösterreich ist derzeit das Bundesland mit dem höchstenAnteil an Einkaufs- und Fachmarktzentren. Diese konnten von denGemeinden bislang ohne weiteres Bauland und Betriebsareale erhalten,ohne Behinderung durch die Raumordnungsbehörde; freilich, das soll sichändern, es fragt sich nur wann.

Vom Bauwesen und seinen überörtlichen Strukturen war die Rede. Nunwollen wir uns einzelnen architektonischen Gestaltungen zuwenden, ohnebekannte traditionelle Bereiche wie außeralpine und alpine Formenanzusprechen. Da geht es um Wohn- und Wirtschaftsbauten, die ursprüng-lich jeweils nach Möglichkeit zweckentsprechend gestaltet wurden.Typische Haus- und Hofformen, früher vielfach als NAIVE ARCHITEKTURangesprochen, konnten in historischer Zeit nicht willkürlich so oder sogebaut werden; sie waren abhängig von natürlichen Voraussetzungen,wirtschaftlichen Aufgaben und herrschaftlichen Verfügungen. Von densozial- wirtschaftlichen Veränderungen und anderen Arbeits- und Erwerbs-bedingungen in den letzten Jahrzehnten weiß man. Aber um die Situationzu illustrieren, möchte ich aus einem Bericht von Gerhard Trumler zitie-ren. Er schreibt im Artikel Gnadenfrist für den Hofbauerhof im Dorf Streithim westlichen Waldviertel:

,, Nun hat die neue Zeit' auch dieses Dorf erreicht. Es wird modernisiert.Der[...] Bauer hat schon die, häßlichen Holz- Sprossenfenster' herausgeris-sen und neue glänzende Aluminiumfenster eingemauert. Im Hof danebenglotzen riesengroße Fenster aus dem schönen alten Rieselputz[...] Inmittendieser Umbauorgie ein kleines Wunder[...], der Hofbauer- Hof.[...] hierlebt die Familie: der erwachsene Sohn zusammen mit seinen Eltern. DerSohn arbeitet in der VOEST in Linz und möchte den alten Hof abreißen,sobald er genug Geld beisammen hat, um daneben einen modernen Haus-stock aufzubauen[...]. Die Eltern wollen den Hofbauerhof erhalten[...] DerSohn antwortet, daß ihm jedes Mädchen sofort davonläuft, das er in solchein altes abgewohntes Haus bringt. Die Bausubstanz des Hofes ist erhaltens-wert." 20

Und wir wissen, das Leben in den Dörfern ist nur durch einwohnendeFamilien gesichert... Seit den Achtzigerjahren gibt es bekanntlich die

20 Gerhard Trumler. Gnadenfrist für den Hofbauerhof. In: morgen, 5. Jg., Nr. 16, April1981, S. 82f.

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