Alltagskultur- Forschungen in Niederösterreich
eine gute Stimmung, der Alkohol fließt, und das Gebäude ist gerammeltvoll. Durch den Gruppenzwang trinkt man oft mehr als man tatsächlichverträgt. Die nach dem Besuch von Lokalen Alkoholisierten fahren dannmit dem Auto weg, schwere Unfälle sind schon passiert
Ein andererTeil der Jugendlichen verbringt lieber seine Zeit vor dem Fernseher oderComputer, denn das Internet ist für die meisten schon alltäglich. Für diejunge Generation der letzten Jahre gilt: es spielen institutionelle Bindun-gen( Kirchen, politische Parteien, soziale Organisationen, Vereine,...)eine immer geringere Rolle. Die ideologische und soziale Flexibilität derjungen Generation hat sie unabhängiger von autoritären Strukturengemacht, ein Rückzug in die Privatheit ist sehr häufig zu beobachten.Freundes- und Bekanntenkreis nehmen einen hohen Stellenwert ein. DieParameter des eigenen Handelns sind vorwiegend lustbetont und wenigerverantwortungsbestimmt. Lebensabschnittspartnerschaften erscheinen alserstrebenswertes Lebensmodell. Mit den ,, Idealen" der älteren Generati-on können die Jungen nichts mehr anfangen, Eltern nehmen ihre Rolleals Leitfiguren, als Verantwortungsträger, Diskussionspartner kaum odernur noch selten wahr.16
Die Kommunikation spielt in den letzten Jahrzehnten eine immer größe-re Rolle. Die Medien vermitteln eine immer mehr um sich greifendeInformationsflut, die von den Konsumenten kaum ernsthaft überblicktwerden kann. Es besteht hier nicht die Möglichkeit, auch nur annäherndaufzuzählen, was es auf diesem Gebiet für Entwicklungen gibt, ein klei-nes Beispiel vom Anfang der Achtzigerjahre möge genügen. InTraiskirchen hat man einmal die Reklamesendungen verschiedenerFirmen, die per Post oder durch private Zusteller den Haushalten zukom-men, analysiert. Vom 28. bis zum 30. November 1984 erhielten dieeinzelnen Haushalte 25 verschiedene Werbeprospekte zugestellt. Der Autordieser Untersuchung, Rudolf Biegler, hat das Material nach der geogra-phischen Herkunft, branchenmäßig, nach Umfang der Sendungen, Qua-lität und Gewicht, Fläche des ausgelegten Papiers geordnet und sich Ge-danken über die Zustellung, das Wegbringen und die weitere Verwertungdieses Papiers gemacht und dazu noch eine Reihe von Fragen angefügt,so zum Beispiel welchen Nutzen( Umsatz, Gewinn) haben die offerieren-
16 Gunda Cuba- Wolf: Weinviertler Frauen. Enkulturation der weiblichen Jugend beizwei Generationen in Kalladorf. In: Dies. u. Hermine Aigner: Sie lernten dienen bei-zeiten. Zwei Studien zum weiblichen Lebenszusammenhang( Beiträge zur Volkskun-de und Kulturanalyse, Bd. 5). Wien 1992, S. 15-207.
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