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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
Entstehung
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Thomas Northoff

Um 1980 hatten sich aber wieder rechtsradikale Botschaften gegenüberanderen merklich in den Vordergrund gedrängt. Sie bilden bis heutegemeinsam mit den rassistischen und fremdenfeindlichen Graffiti diedominante Kategorie der politisch orientierten Graffiti, wobei nichtselten alle drei genannten Intentionen in einem Graffito ausgedrückt wer-den. Aus diesen anonymen Botschaften ist zumindest ableitbar, dass innicht wenigen Hirnen eine große Unzufriedenheit mit dem halbwegsdemokratischen Alltag herrscht und welcher Alltag mit den graffitiertenSymbolen und Sagern propagiert und angestrebt werden soll.

Mit mobilen Graffiti, sprich handbeschriebenen Transparenten undTafeln, wandten sich dennoch beherzte Menschen schon früh bei Kund-gebungen gegen den Rechtsextremismus. Einen Markstein stellt dieDemonstration in Wien gegen den Historiker und Universitätslehrer TarasBorodajkewycz im März 1965 wegen dessen antisemitischen undnazistischen Äußerungen dar. Dabei prallten Nationale und Antifa-schistischen aufeinander, wobei der antifaschistische Pensionist ErnstKirchweger zu Tode kam. Nach ihm wurde ein im Besitz der kommuni-stischen Partei befindliches Haus im 10. Bezirk benannt, das ErnstKirchweger Haus, das seinerseits 1990 von sogenannten links- anarchisti-schen Gruppen gegen den Willen der Kommunisten besetzt wurde.Deren Ziel war, das ab nun EKH genannte Haus zu einem multikulturellen,antifaschistischen, antirassistischen Zentrum zu gestalten. Es gibt dortregelmäßige Vortrags-, Diskussions- und Kulturprogramme und Möglich-keiten für Treffen marginalisierter Gruppen.

Das Haus wurde Sammelbecken und Wohnstatt für Autonome, Punks,Hardcore- Bands und Flüchtlingsfamilien. Deren Alltag differiert nichtnicht nur von dem der umgebenden Nachbarschaft erheblich. Seine Wän-de sind zeitweise voll mit Graffiti, die unter anderem besagen: DieGewalt geht vom Staat aus". Dem Alltagsempfinden seiner BewohnerInnenentsprechend befindet sich das Haus, wie einmal jemand bemerkte, imZustand einer permanenten Baustelle. Im Haus sind speziell vor oder nachgrößeren Demonstrationen und zur Zeit des Opernballs Polizei- und Staats-polizei- Interventionen an der Tagesordnung. 2003 wollte die KPÖ diesesSorgenkind loswerden. Kaum wurde die Verkaufsabsicht ruchbar, tauch-ten in ganz Wien, wenngleich nicht in starker Dichte, wie Hilferufe fastgleichlautende Graffiti auf: EKH bleibt, EKH muss bleiben.

Ich benötigte drei Anläufe für die Dokumentation eines EKH- Graffitos,das vom Sichtungszeitpunkt bis zum Fotografier- Zeitpunkt, in der Regelein Tag, nicht übertüncht worden war. Bei rechten Graffiti kann ich zeit-

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