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Alltagskulturen : Forschungen und Dokumentationen zu österreichischen Alltagen seit 1945 ; Referate der Österreichischen Volkskundetagung 2004 in Sankt Pölten
Entstehung
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Der Alltag als Thema der Europäischen Ethnologie

gelt sind und man sich auf Regeln der Verständigung darüber einlässt,dann ist auch klar, dass exzessiver Alkoholkonsum nicht in das Beliebendes Einzelnen gestellt ist. Wer sich dem widersetzt oder entzieht, wirdzum Außenseiter. Der isolierte Trinker gehört prinzipiell in die Moderne.Utz Jeggle hat uns das gelehrt.'

Europäische Ethnologie meint mit Alltag jene unbefragten Selbstverständ-lichkeiten, von denen immer mehr in der Moderne befragt und beredetwerden. Wo uns der Alltag umgibt wie den Fisch das Wasser, dort hält eruns mit seinen Routinen am Leben, macht Leben erträglich und aushaltbar.Müsste jede Handlung erst auf ihr Für und Wider abgeprüft werden, wäredas Leben nicht zu leben. Doch immer mehr Bereiche fordern uns heuteeine Entscheidung und eine Erklärung über diese Entscheidung ab.Leopold Schmidt konnte noch 1951 meinen,, das Gebiet des reflektier-ten Lebens ist als äußerst schmal anzusehen". Was wir essen, wie wiruns kleiden und uns möblieren, ist nicht immer mehr selbstverständlich.Wir müssen uns erklären und bekennen und wir tun das auch. Im Re-port über die neuen Väter im Profil dieser Woche sagt ein Onkel, der denErsatzpapa gibt, über den unterschiedlichen Umgang bei der Mutter undbei ihm: ,, Maximilian erlebt quasi zwei Kulturen. Und ein Trennungs-vater will ,, um mehr Alltag mit Nikolas kämpfen. Zwei Kulturen alszwei Stile; und mehr Alltag", will heißen, nicht bloß das Besondere sollsein, um das Gewöhnliche will gekämpft werden. Also muss etwas dransein an dem Alltag, und die Alltage sind mindestens verbal ver-wissenschaftlicht. Der Alltag ist beredetes Thema, markiert einenAnspruch, der erklärt sein will, wird zum Besonderen, ja seine Gewin-nung zum Ziel. Das an sich Gewöhnliche wird markiert und wird deshalbwichtig, weil es der Unterscheidung dienen soll. Als das Eigene, das Un-terscheidende, wird der Alltag immer wichtiger.

II.

Der Alltag ist zu einer Modevokabel in Kunst und Kultur geworden. Dasmacht es nicht einfacher, ihn als Thema und als Kategorie der Europäi-schen Ethnologie zu etablieren. Jeder hat ihn, jeder hat seine Vorstellungvon ihm, die für gewöhnlich als Kontrastprogramm zum Fest gilt, zu den

7 Utz Jeggle: Alkohol und Industrialisierung. In: Hubert Cancik( Hg.): Rausch-Ekstase Mystik. Düsseldorf 1978, S. 78-94.

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Leopold Schmidt: Geschichte der österreichischen Volkskunde. Wien 1951, S. 11.9 Profil, 7. 6. 2004, S. 104ff.

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