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Peregrinatio neohellenika : Wallfahrtswanderungen im heutigen Griechenland und in Unteritalien
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V

Kreta.

Kreta, die größte von den griechischen Inseln, erinnert in seinem Votiv-wesen ein wenig an Korfu. Auch hier kennt man nämlich handwerklich ge-formte Silber- Votive, die auf größeren und kleineren Plättchen in primitiver Glossar ::: zum Glossareintrag  primitiverRitztechnik menschliche Figuren, Körperteile und Haustiere wiedergeben. Wirerwarben deren eine Anzahl bei einem Silberarbeiter in Chania. Da jedoch da-neben auch serienmäßig erzeugte Fabrikate gleich jenen von Athen hergestelltwerden, treten sie weniger auffällig in Erscheinung und haben sich auch nichtzu so großer Mannigfaltigkeit entwickelt.

Ein originelles Votiv fanden wir in der Dorfkirche von Agia Barbara,auf der Straße von Heraklion nach Phaistos, nämlich eine Metallplakette mitdem Haupte Beethovens; wahrscheinlich hatte sie ein frommer Mann aus demVolke bei einem Jubiläum gekauft und sie später uneingedenk oder auch inUnkenntnis der Darstellung einfach als ein Kopf- Votiv geopfert. Auf der-selben Fahrt passierten wir etwa 20 km weiter westlich auch das Dorf AgiaDeka. Der Name regte unsere Phantasie an, und als wir uns nach seinem Sinnerkundigten, erfuhren wir denn auch, daß man hier in der Dorfkirche zehnMärtyrer verehre. Es handelt sich um zehn Männer, welche zur Zeit derChristenverfolgung unter Kaiser Decius im Jahre 249 hier gemartert wordensein sollen. Unmittelbar vor der Kirche befindet sich eine einzeln stehendekorinthische Säule. Ob sie wohl einstmals einem Säulenheiligen als Aufenthalts-ort gedient hat? Jedenfalls kommt ihr eine besondere Bedeutung zu, denndas Kapitel der Säule befindet sich als heiliger Stein in der Kirche, und zwarunmittelbar unter dem Gnadenbild, eine Ikone, die die zehn Heiligen dar-stellt. Dieser Stein hat mehrere unregelmäßig verteilte Löcher, und zwarvier größere und zirka neun kleinere. Ihre Zahl ist schwer festzustellen, weileinige dieser Löcher so ineinander übergehen, daß man nicht genau weiß, obman sie als eins oder zwei zu zählen hat. Jedenfalls behauptet die Legende,daß die zehn Heiligen auf ihm gemartert worden sein sollen, wobei die Löcherim Stein als die Abdrücke ihrer Knie gelten, gemäß einem weit verbreitetenLegendenmotiv.

Da wir auf Kreta zum erstenmal auch zu längeren Autobusfahrten ge-zwungen waren, hatten wir Gelegenheit, uns von der großen Bedeutung zuüberzeugen, welche die Autoschutzmittel für das griechische Volk besitzen.Wie überall in Griechenland, so sind auch in Kreta die Straßen sehr schlecht,und das veranlaßt die Chauffeure, ihre Omnibusse mit einer Fülle von Amu-letten zu versehen. Sie sind alle unmittelbar vor dem Führersitz oberhalb der

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