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Peregrinatio neohellenika : Wallfahrtswanderungen im heutigen Griechenland und in Unteritalien
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I

Votive und Weihegaben.

Die Votive Makedoniens wurden von Eckert und Formozis in vorbild-licher Weise inventarisiert. Die grundsätzlichen Ergebnisse ihrer Arbeitenkönnen unseren eigenen Beobachtungen zufolge auf ganz Griechenland aus-gedehnt werden.

Das Votivwesen im Bereich der griechisch- orthodoxen Kirche zeichnetsich durch eine auffallende Gleichförmigkeit aus. Das Verbot der plastischenHeiligendarstellung im orthodoxen Kult hat, mit wenigen lokalen Ausnahmen,auf die wir in unserer peregrinatio bei der Behandlung des betreffenden Ortes zusprechen kommen werden, das Fehlen der Votiv- Plastiken veranlaßt. Das strengdurchgeführte Gesetz der Hochreligion hat hier den Volksglauben in nach-haltiger Weise beeinflußt und bewirkt, daß die Herstellung der Votive inkeiner Weise zu der Ausbildung einer bedeutenden, durch schöpferische Ge-staltungskraft ausgezeichneten Volkskunst geführt hat, wie dies etwa in Süd-deutschland, Italien oder den Alpenländern der Fall gewesen ist" 31). Das istals Feststellung der Tatsache richtig; im Gegensatz zu Eckert und Formozissind wir allerdings außerdem der Meinung, daß der Hinweis auf die orthodoxenKultvorschriften genügt, um diesen Zustand zu klären. Wir brauchen wederdem modernen Einfluß der Großstadt noch auch der Türkenherrschaft einenmaßgebenden Anteil an dieser Entwicklung zuzusprechen. Im Gebiete derkatholischen Kirche war die Plastik niemals verpönt, daher hat sich auch pla-stische religiöse Volkskunst entwickeln können. Das Verbot der orthodoxenKirche wirkt dagegen bis zum heutigen Tage. Im Rahmen des Erlaubten, derallerdings bescheiden genug ist, und manchmal sogar über diesen hinaus, kön-nen wir, wie sich im Verlauf unserer Abhandlungen zeigen wird, ohnediesverschiedene Sonderformen feststellen. Doch ist Eckert und Formozisunbedingt recht zu geben, wenn sie sagen,daß die geringe formaleEntwicklung der Opfergaben nichts über die religiöse Bedeutung der Weihe-gaben aussagt, die im Volksglauben eine außergewöhnlich große Rolle spielen.Sie werden in weit größerer Zahl dargebracht als in der römischen Kirche. Vorjeder wundertätigen Ikone hängen sie, je nach deren größerer oder geringererAnziehungskraft, in größerer oder geringerer Anzahl. Da es aber aus den späterzu erörternden Gründen deren weit mehr gibt als in der römischen Kirchein manch älteren Heiligtümern trifft man mitunter sogar zwei oder drei zu-gleich so fällt auch das Votivwesen weit mehr in die Augen. Die Votive,in der griechischen Sprache Tamma, Plural Tammata(= Gelöbnis) bzw.Aphieroma(= Opfergabe) genannt, haben die Gestalt von kleinen Täfelchen

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