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Peregrinatio neohellenika : Wallfahrtswanderungen im heutigen Griechenland und in Unteritalien
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Anhang.

Zum Votivbaum von Tinos.

Das silberne Orangenbäumchen mit goldenen Früchten, das als die präch-tigste Votivgabe von Tinos gelten kann 130), ist in mehr als einer Hinsichtwichtig und interessant. Handelt es sich doch um einen Baum- Leuchter, alsoeinen Angehörigen einer Gruppe, die in vergangenen Jahren mehrfach be-handelt wurde 131). Das Bäumchen von Tinos ist eindeutig die Nachbildungeines Orangenbaumes, trägt aber außer den vergoldeten kugeligen Früchtenan den Ästen zwölf Ampelbehälter und einen etwas größeren an der Spitzedes Stämmchens, also insgesamt dreizehn Leuchter. Da alle ähnlichen Leuch-ter- Bäume bei aller sonstigen Verschiedenheit zahlenmäßig aufgebaut sind, be-fremdet diese Anzahl von zwölf bzw. dreizehn Leuchtern keineswegs. Daszahlensymbolische Aufbaumoment durchbricht hier wie in anderen Fällen dasnaturalistische, das an sich bei der Nachbildung des Baumwuchses, der Blätterund Früchte vorzuwalten scheint. Freilich wächst das Bäumchen aus einemGefäß hervor, das man nicht als normalen Blumentopf ansprechen kann; esist eine Vase, ein Trinkgefäß, und auch damit steht also dieses Bäumchendeutlich im Zusammenhang mit der ganzen großen Gruppe der Lebensbäume",wie sie Karl Spieß so nachdrücklich als altbedeutsam interpretiert hat 132).

Das Votivbäumchen von Tinos ist jedoch von einer besonderen Bedeu-tung für die österreichische Volkskunde. Im Besitz des Österreichischen Mu-seums für Volkskunde befindet sich seit einem halben Jahrhundert ein Leuch-terbaum, dessen Herkunft unbekannt und dessen Bedeutung strittig war133).Der aus versilbertem Pakfong gearbeitete, mannshohe Baum stammt aus demBesitz des Grafen Zichy und gelangte aller Wahrscheinlichkeit nach aus demBalkangebiet nach Wien. Wieder handelt es sich um eine Silberschmiedearbeit,die bei der Nachbildung des Stammes, der Äste und der Blätter durchausnaturalistische Wege zu gehen versucht. Der Baum steht in diesem Falle aufeinem viereckigen Untersatz, dessen Ecken wieder je ein Bäumchen aufweisen;der Baum steht also eigentlich in einem deutlich vierseitig orientierten Gärt-chen. Bei genauerer Betrachtung ergibt es sich, daß der Baum neun Haupt-äste trägt, die an verschiedenen Stellen abzweigen, während der Hauptstammlotrecht weiterwächst. Das ist nun ganz gegen die Natur; aber gerade dieseDurchbrechung der naturalistischen Nachbildung haben wir auch bei demVotivbäumchen von Tinos vor uns, von dessen Hauptstamm, wenn ich rechtsehe, sechs Hauptäste abzweigen, der aber gleichfalls lotrecht in die Höhegeführt ist, um auf der obersten Spitze den dreizehnten Leuchter zu tragen.Der Baum des Wiener Museums trug ursprünglich anscheinend siebenund-

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