Vorwort
Das griechische Wallfahrts- und Votivwesen hat bis jetzt noch keine zu-sammenhängende Darstellung erfahren. Es gibt seit anderthalb Jahrhundertenkleine Nachrichten darüber bei verschiedenen Reisenden, doch sind diese nochnicht einmal zusammengefaßt, geschweige denn ausgewertet worden. Die klas-sischen Archäologen und Philologen haben sich mit dem Problem von ihrerSeite her, das heißt mit dem antiken Devotionswesen, ausführlich befaßt. Essei dabei besonders auf die Arbeiten von Emil Reisch¹) und von WilliamH. Rouse²) über die griechischen Opfergaben hingewiesen, auf verschiedeneMitteilungen von Wilhelm Körte³) und Margarete Bieber¹), auf die Aus-grabungen von Epidauros durch Rudolf Herzog³), wie auf verschiedene wei-tere religionsgeschichtliche Arbeiten von Martin P. Nilsson), Georg Karo')und nicht zuletzt auf die wichtigen Abhandlungen von E. und L. Edelstein),Ulrich Hausmann und Carl Roebuck¹), die sich mit Asklepios undden Weihegeschenken zu dem antiken Heilgott befassen. Von der Seite derFolkloristen ist im Vergleich damit weniger geschehen. Für die ältere Zeit istfreilich besonders auf die wichtigen Aufzeichnungen von Bernhard Schmidt¹¹)hinzuweisen. Von englischer Seite hat T. C. Larson¹²) manches beigetragen.In neuerer Zeit sind Griechen wie Philip Argenti¹³), der bedeutende Erfor-scher von Chios, sowie R. Mallon¹) und D. S. Loukatos 15) hervorzu-heben. Da stehen jedesmal Gesamtdarstellungen, die unser Thema nur amRande streifen, neben lokalen Bestandsaufnahmen, die aber gleichwohl ihreVerdienste besitzen. Insbesondere wird man die zahlreichen Darstellungen derVerhältnisse auf dem Berg Athos mit Gewinn heranziehen, also etwa die Bü-cher von Franz Spunda¹6), von R. M. Dawkins¹7), wie die von FranzDölger18) und von Reinhold Pabe 119). Von lokaler griechischer Literaturzu einzelnen Wallfahrtsorten und sonstigen Heiligtümern sei besonders aufKatharina Ka kouri), J. N. Kardamits i21), Michael Mavroudi²²),F. D. Kontogiorga23) und den Metropoliten Germanos24) hingewiesen.Weitere wichtige Beiträge sind der eigentlichen neugriechischen Volkskundezu verdanken. Es ist dabei besonders an die Arbeiten von N. G. Politis 25)und K. A. Romaios26) gedacht. Die Votive Makedoniens, die ja durchausin den Bereich des griechischen Wallfahrtsbrauchtums Glossar ::: zum Glossareintrag Wallfahrtsbrauchtums gehören, wurden wäh-rend des letzten Krieges von Georg Eckert und P. E. Formozis²) in vor-bildlicher Weise inventarisiert. Ihre Beiträge zur makedonischen Volkskundegehören hier also ebenso beachtet wie die verschiedenen kleineren Mitteilungenin den regen Volkskunde- Zeitschriften Griechenlands 28).
Unsere hier vorliegende Arbeit stellt in vieler Hinsicht einen ersten Ver-such dar. Den Versuch, im Rahmen einer vorläufigen Übersicht den gesamt-