Gestik, dargestellt sind. Wir fanden sogar ein sehr originelles Votivbild, auf wel-chem ein vor dem Silberschrein des heiligen Spiridion kniender Mann abge-bildet ist. Die Gravierung ist überdurchschnittlich gut und bildet eine Aus-nahme. Das Merkmal der Kunstlosigkeit gilt besonders von den einzelnenKörperteilen, wie Armen, Beinen, Brüsten, Leibern, Zähnen als auch von denEingeweiden, unter denen es kaum eines gibt, das nicht vertreten wäre, mit-unter allerdings so primitiv Glossar ::: zum Glossareintrag primitiv wiedergegeben, daß man den dargestellten Gegen-stand schwerlich erkennen kann. Auch Haustier- Votive fehlen nicht. Als Sel-tenheit fiel uns das Opfer eines silbernen Kammes auf; ferner ein geöffnetesBuch, das vom Volk als Evangelienbuch bezeichnet wird und das auf denaufgeschlagenen Blättern eine Widmung an den heiligen Spiridion enthält. Aufdie Frage, was dieses Buch zu bedeuten habe, erwiderte uns der Papas derSpiridionkirche, daß es wohl das Opfer eines jungen Mannes sei, der denSegen des Heiligen für sein Studium erflehte.
Bei den Silberarbeitern in der Stadt findet man häufig silberne und goldeneTäfelchen, deren Mittelfläche noch leer ist. Nach den persönlichen Angabender Bittsteller werden dann diese mit den entsprechenden Darstellungen vomSilberschmied versehen. So kommt es, daß die handgeformten Tammata aufKorfu von sehr individuellem Gepräge sind.
Zu Ehren des Heiligen werden jährlich fünf große Feste gefeiert, vondenen vier, wie erwähnt, mit Prozessionen verbunden sind. Die erste Feierwird am Palmsonntag abgehalten zur Erinnerung an die Rettung der Inselvon der Cholera. An diesem Tage findet die längste aller Prozessionen statt,bei welcher der Heilige in zweieinhalb Stunden durch die ganze Stadt geführtwird. Dabei wird der Reliquienschrein erst unmittelbar vor der Prozessionaus dem Sarkophag genommen und nach Beendigung sofort wieder darinverschlossen. Die zweite Prozession am Karsamstag ist, wie die beiden ihr fol-genden vom August und November, wesentlich kürzer, dauert etwa eine guteStunde und berührt nur einen engeren Bezirk. Die Prozession am Karsamstagwird zum Gedächtnis folgenden Wunders des Heiligen gefeiert: Einmal warauf der Insel eine große Hungersnot ausgebrochen, und in seiner Bedrängniswandte sich das Volk an seinen Schutzheiligen. Hierauf sei dieser dem Kapitäneines mit Korn beladenen Schiffes im Traum erschienen und habe ihn dazubestimmt, mit seiner Fracht, die für Frankreich bestimmt gewesen sei, Korfuanzulaufen. Der Kapitän sei, als er das Wunder erkannte, als Mönch auf derInsel geblieben. Nach der Rückkehr der Prozession in die Kirche wird derReliquienschrein des Heiligen auf einen Thron gestellt, den man vor demEingang in seine Grabkapelle errichtet hat. Er bleibt dort bis zum Oster-dienstag ausgestellt, bis zu welcher Zeit die Kirche auch nachts geöffnet ist.Von einer eigentlichen Inkubation kann man dabei zwar nicht reden; dieVerehrung des Heiligen geht in der üblichen Weise vor sich, wobei es sichdie Gläubigen angelegen sein lassen, durch das geöffnete Glasfenster am un-teren Ende des Schreines zu kriechen und die Pantoffel des Heiligen zu küssen.
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