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Studien zum griechischen Volkslied
Entstehung
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Es fehlt dem Meer das Wasser, es fehlt der Erde Grün,Es fehlt auch dir dein Sohn, in der Ferne, in der Fremde.Er brach auf zurückzukehren, er bricht auf zu kommen,Seide seien seine Straßen, Watte seine Wege,

5 Und die Brücke, die er überquert, ein Körnchen Perle,Und die Mutter, die ihn mit zwei dramia Moschus erwartet³¹.

Ähnlich herrschaftlich wie der Hausherr tritt auch die Hausfrau auf: ihrErscheinungsanspruch steht in keiner möglichen Relation zur harten Arbeits-wirklichkeit der Frau zwischen Haus und Feldarbeit, Viehversorgung undKinderfürsorge. Allerdings werden hier feministische Leitbilder der patriar-chalen Provinzgesellschaft als in die soziale Vertikale projezierteWunschvorstellungen sichtbar. Ihr Lied ist meist das zweite nach demHausherrn; die Überleitung wird von einer stereotypen Formel geleistet:, Viel sangen wir dem Herrn, laßt uns auch unsrer Herrin singen" 52.

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Silberne Frau, goldene Frau, Frau ganz vergoldete,

Als der liebe Gott verteilte die Schönheit in der Welt,

Da standest auch du in der Tür, bekamst ein gutes Schicksal.Bekamst Granatäpfel vom Baum, bekamst vom Schnee das Weiße,5 Bekamst auch die Augenbraue von der schwarzen Schwalbe 53.

Das Erscheinungsbild ist das einer hochgewachsenen schlanken Landgräfin,die sich zum Kirchgang schmückt, deren Gesicht mit der Sonne verglichenwird 54, die Haut mit dem Schnee( siehe oben), als Fingerring steckt sie sichden Morgenstern an55; Straße und Kirche erfüllen sich voll Rosenduft, unddie Diakone vergessen ihre Litaneien( vgl. Kap. 7) 56. Nicht nur Gold-schmuck ziert ihre Schönheit, auch die Natur stellt ihre Gaben bereit: Siehat die Sonne als Gesicht, den Mond an ihrer Brust, die verzierte Viper umden Hals, den Flügel der Krähe als gewölbte Braue usw. 58. Politis hat dieseMetaphern mit dem Schöpfungsmythos in Zusammenhang gebracht. Injedem Fall sind vornehme Kleidung, der reichliche Gebrauch von Parfum,das haltlose Staunen der Menge, ja selbst der Priester, Kennzeichen von Adelund Angesehenheit; die körperliche Schönheit, der hohe schlanke Wuchs,die gepflegte Erscheinung weisen auf den sozialen Rang einer Familie, inder es die Frau nicht nötig hat, körperliche Arbeiten zu verrichten. Spezielle51 Türkisches Gewichtsmaß( 1 drami= 1/400 oka, 1 oka= 1282 gr.). Der Text bei Spandonidi,op. cit., S. 91.

52 Ζ.Β. Ε. Stamuli- Saranti, Σύμμεικτα Λαογραφικά. Θρακικά 1( 1928) S. 403 446.53 Politis, op. cit., S. 193, Nr. 160.

54 Spandonidi, op. cit., S. 86.55 Epirotika Chronika 2, S. 194.56 Politis, op. cit., S. 192, Nr. 152.57 Stamuli- Saranti, op. cit., S. 435.58 Spandonidi, op. cit., S. 86.59 Politis, op. cit., S. 193, Nr. 160.

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