benforderung integriert 169. Solche sinnstörenden Verkürzungen und logi-schen Raffungen hängen z.T. mit dem Ausführungsmodus des Umzugsbrau-ches zusammen: Die Kinder haben es eilig, möglichst viele Familien anzu-singen( und die bezüglichen Gaben einzuheimsen) und womöglich anderenSinggruppen zuvorzukommen. In solchen funktionalen ,, Kürzeln" kann dieRücksichtnahme auf den Festtermin entfallen, da er fraglos allen geläufigist 170. Freilich sind auch die umfangreicheren Liedversionen von partiellenoder totalen Deformationen nicht verschont¹71.
Der profane Liedtypus
Die Unterscheidung eines speziellen profanen Liedtyps ist bis zu einemgewissen Grade künstlich, aber doch notwendig. In den meisten Fällen, imhellenophonen Raum zumindest, bildet erst der Auferweckungsbericht zu-sammen mit der panegyrischen Preisliedern und dem Heischelied die Ge-samtheit des vorgetragenen Liedes, während in den Kontinentalzonen desBalkanraums der biblische Teil des Liedes eliminiert und durch Frühlings-und Liebeslieder ersetzt ist. In anderen Fällen wieder kommt es aus-schließlich zu Heischeliedern oder personellen Enkomia. Über die histori-sche Dimension dieser Tatsache lassen sich nur Vermutungen anstellen.Greifbar ist nur das zonengeographische Kriterium des Überwiegens religiö-ser Formen im ostmediterranen und helladischen Bereich, während in denzentralen balkanischen Gebieten die Frühlings- und Liebeslieder vorherr-schen. Von Inhalt, Aufbau und Funktion her lassen sich vier Kategorienunterscheiden: 1. Panegyrische Glückwunschlieder, 2. Heischelieder, 3.Frühlings-, Liebes- bzw. Hochzeitslieder und 4. Sonstige Formen.
1. Panegyrische Glückwunschlieder
Die panegyrischen Glückwunschlieder stellen variable Liedformen dar, indenen ein einzelnes Familienmitgleid nach seinen körperlichen Vorzügen, inseiner sozialen Rolle und Tüchtigkeit gepriesen wird. Die Kriterien dieserSpeziallieder¹72 sind durch Alter, Geschlecht und Berufstätigkeit gegeben;169 ,,- Wach auf, Lazarus, und laẞ doch den Schlaf,/ heute ist dein Tag, heute ist dein Fest,/ heutesind wir zu deiner Herrlichkeit gekommen,/ dem guten Hausherrn Ehre zu bringen,/ unsrerguten Hausfrau zu bringen Ruhm./Gib mir, mein Herr, ein wenig Wasser doch,/ bittres Gifthat meine Lippen benetzt"( LA 1479d, S. 34, V. 5-11). Es folgen ausdrückliche Heische-
verse.
170,, Lazarus ist da, das Palmfest ist da;/, Wo warst du, Lazarus, hast dich versteckt?', In denGräben tief war ich begraben./Gebt mir, so gebt mir doch kühles Wasser,/ denn mein Mundist voll von bitterem Gift"."( Tzartzanu, op. cit., S. 75f.)
171 Eine völlig deformierte Variante des ausgedehnten zypriotischen Liedtyps ist etwa auchaus dem Pontusgebiet überliefert( LA 2093, S. 1).
172 Zu Begriff und Morphologie dieser Ansingelieder im hellenophonen Raum Puchner,
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