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Studien zum griechischen Volkslied
Entstehung
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nischen Epoche Kretas sind wie Gareth Morgan bemerkt hat- im allge-meinen keine türkischen Lehnwörter zu finden, oder nur als leicht erkenn-bare spätere Einschübe³¹. Nicht nur die Entstehung des Liedes sondern auchseine Funktion scheint an die türkische Herrschaft gebunden, wird es doch1904 zum letzten Male aufgezeichnet, wenige Jahre bevor Kreta dem heuti-gen griechischen Staat zufällt³2.

Die militärischen Operationen um Wien sind aus dem Lied nur schemenhaftzu erkennen: immerhin ist die historische Reihenfolge der Dinge einiger-maßen gewahrt: die Streitkräfte und die Heerschau( also in Adrianopel);Einfall in Wien und Verwüstungen( es besteht offenbar eine gewisse Unklar-heit darüber, was ,, Wien" eigentlich ist; hier ist eher ein Landstrich oder eineProvinz gemeint); Gegenaktionen des ,, Konsuls" von Wien, Drohung undGegendrohung( Vutetakis führt immerhin noch das Hilfsschreiben an dieanderen christlichen Großmächte an); Heerschau des ,, Konsuls"( bei Vute-takis die Beschreibung der Messe); neue Drohung bzw. Rede an das Heer;Schlacht; Waffenstillstandsbitte des Janitscharen.- Drei Dinge sind es vorallem, die den logischen Konsensus des Geschehnisablaufs aus dem Gleich-gewicht bringen: 1) die Angabe, daß Wien ,, eingenommen"( Jean. 2) wordensei bzw. ,, verloren"( Vut. 2) bzw. ,, zerstört, verwüstet"( Jean. 2) worden sei,was den historischen Tatsachen und auch dem Liedende nicht entspricht, dasja einen Sieg der Christen meldet; 2) die Kontamination zweier Figuren alsGegenspieler der Türken: der ,, mannhafte König und der rätselvolle ,, Kon-sul von Wien"; 3) endlich das pikante Detail, das Vutetakis( V. 25) anführt,daß bei der Verwüstung Wiens Griechenmädchen gefangengenommen wor-den seien.

Punkt 1 hinterläßt den Eindruck, daß man auf Kreta der frühen Türkenzeitnur eine sehr unklare Vorstellung davon hatte, was ,, Vienna" eigentlich istund wo es liegt; die Tatsache der ,, Einnahme" bzw. ,, Zerstörung" Wiens ließesich mit dem tatsächlichen Geschehnisablauf nur dann vereinbaren, wennman mit dem Terminus nicht eine befestigte Stadt, sondern einen Landstrichmeint, den die Türken verwüsteten. Von wo aus hätte der ,, Konsul vonWien" dem Liedbericht zufolge- seinen Gegenangriff aber starten kön-nen, wenn nicht aus der befestigten Stadt heraus?- Mit dem ,, mannhaftenKönig am Liedbeginn und dem ,, Konsul von Wien" sind nur undeutlich

Krieg und dem Fall von Candia( Heraklion) vgl. Andrea Valeri, Historia della guerra diCandia( Venezia 1679). Trieste 1859 und das Versepos ,, О кρητɩкóç Пóλεμоç, heraus-gegeben von A. Xiruchakis, Triest 1908.

31,, In all poems known to be of the Turkish epoch Turkish words are found. In most poemsknown to be of the Venetian epoch no Turkish words are found, and those which haveTurkish words have them nearly always in positions where they are demonstrably not partof the original texture"( G. Morgan, Siege of Vienna, in: Cretan Poetry. Sources andInspirations. Kρητɩкά Xроvɩкά 14, 1960, S. 7-68, 203-270, 379-434, bes. S. 33ff.).32 Mit späteren Türkenkämpferliedern scheint auch der Flehensruf des Janitscharen umWaffenstillstand am Schluß des Liedes in Zusammenhang zu stehen: ,,- Halt ein, meinKonsul, halte doch ein dein Schwert"( Jean. 37, Vut. 51), das sich in ähnlicher Form auchin anderen Liedern wiederfindet( z.B. Haxthausen, op. cit., S. 46).

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