dynamik des Adlwanger Gnadenbildes vor dem Pestjahre eine land-schaftlich sehr beschränkte war und sich bloß auf die Bewohnerder benachbarten Tallandschaften erstreckt hat. Die Zugkraft Adl-wangs schnellte hinauf und erreichte seinen Höhepunkt durch denRuf seiner Seuchenfreiheit während des Wütens der Pest im Jahre1679. Machte sich schon mit dem Abflauen der Pest im Jahre 1681ein beträchtlicher Rückgang in der Zahl der Prozessionen, die vonweiterher kamen, bemerkbar, so ist ferner feststellbar, daß unge-fähr ab 1730 die Adlwanger Kultdynamik räumlich auf das damaligeOberösterreich begrenzt ist.
13. Aus dem familien-, kunst- und kulturgeschicht-lichen Inhalte der Mirakelbücher
Sind auch die Adlwanger Mirakelbücher, wie die an anderenösterreichischen Gnadenorten geführten in erster Linie eine wich-tige Quelle für die Aufhellung der Volksfrömmigkeit und der Volks-medizin in der Barockperiode, so bergen sie doch auch einen nichtzu unterschätzenden Gehalt für andere historische Gebiete derVolksforschung, die nicht vom Volkskundler, sondern vornehmlichvom Historiker gepflegt werden. Wir rechnen zu letzteren unteranderen die familienkundlichen Aufschlüsse, kunstgeschichtlicheDaten und beachtenswerte Eintragungen, die in den engeren Be-reich der Kulturgeschichte gehören und gleichfalls, wenn auch spär-lich, in den Adlwanger Mirakelbüchern aufscheinen.
Der Familienforscher, darunter besonders der, welcher ober-österreichischen Bürger- und Bauerngeschlechtern nachspürt, wirdin den Buchungen der Adlwanger Mirakelbücher so manchen wert-vollen Beitrag finden. Wir heben aus der Fülle der Namen der Be-gnadeten nur einige von denen heraus, die eine größere Bedeutungfür die Landes- und Lokalgeschichte haben, sei es wegen der ade-ligen Herkunft ihrer Träger, wegen ihres Ansehens als Ratsbürgerim Rahmen ihrer Bürgergemeinde oder wegen ihres Künstlerberufes.Wir haben schon an anderer Stelle betont, daß unserer Quelle zu-folge Adlwang hauptsächlich von Bürgern und Bauern aufgesuchtworden ist. Nur in wenigen Fällen hat der einheimische Adel eineWallfahrt dahin unternommen. So unternahm 1663 Maria Anna Fran-ziska Gräfin von Tattenbach, geborene Herrin von Gera, eine Dank-kirchfahrt nach geheilter Krankheit. 1693 wallfahrtete Anna MariaFürstin Lamberg, geborene Trauttmannsdorff, Gemahlin des Landes-hauptmannes von Österreich ob der Enns, zur Adlwanger Madonnaund spendete letzterer ein Votivbild, auf dem ein Engel die Dank-sagung für eine glückliche Entbindung hielt. 1681 befand sich unterden aufgezeichneten Begnadeten der Maler Hans Christoph Au-
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