Zur Einführung ¹)
Im welligen Hügellande, das sich zwischen dem Krems- unddem Steyrflusse hinzieht, liegt ungefähr 7 km von dem bekanntenBadeorte Bad Hall entfernt, das kleine Pfarrdorf Adlwang mitseiner Wallfahrtskirche, die während der Barockzeit das oberöster-reichische Mariazell genannt werden darf. Die Mönche des nahenBenediktinerklosters Kremsmünster, dem heute noch diese Pfarreeinverleibt ist, haben hier zur Zeit der Wiederbelebung des Katholi-zismus unweit der genannten natürlichen jodhältigen Heilquelleneine während der protestantischen Ära abgekommene marianischeGnadenstätte zu größerer Blüte als im Spätmittelalter gebracht.Letztere wurde vornehmlich durch die barocke Ausbildung zweierLegenden gestützt und erlangte in der größten Pestperiode,welche die Österreicher erlebt haben( 1679-1682), durch denRuf ihrer Seuchenfreiheit, die in den Augen der Priesterschaftund des Volkes als ein durch die Adlwanger Madonna geschehenesWunder hingestellt wurde, bis weit in die theresianische Zeithinein die stärkste Kultdynamik unter den oberösterreichischenWallfahrtsorten. Gewiß, mit den Pilgerfahrten nach dem weit-bekannten St. Wolfgang am gleichnamigen See im XV. und in derersten Hälfte des XVI. Jahrhunderts 2) konnten sich die AdlwangerKirchfahrten im XVII. und XVIII. Jahrhunderte an Bedeutung nichtmessen. Denn der Adlwanger Wirkungskreis war doch größtenteilsauf Oberösterreich beschränkt, also territorial gegenüber dem uni-versalen St. Wolfgang, durch das die große Pilgerstraße nach Romgegangen war. Zwischen dem Abflauen des Wolfgangkultes daselbstund der landschaftlich beschränkten barocken Nachblüte diesesKultes sowie dem Aufstiege der Adlwanger Wunderkraft lag einJahrhundert, in dem die Lehre Martin Luthers fast in ganzÖsterreich herrschend war und ihre Anhänger allen Heiligenbildernund deren Verehrung feindlich gegenüber gestanden hatten. In
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