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Die Wallfahrten nach Adlwang im Lichte der Mirakelbücher : (1620-1746) ; eine volkskundlich-kulturhistorische Studie
Entstehung
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I.

Die geschichtliche Entwicklung des Wallfahrtsortes Adlwang unddessen Legenden

In der anonym erschienenen ,, Geschichte des Pfarr- und Wall-fahrtsortes Adlwang", Steyr 1901, die der Kremsmünsterer Benedik-tinermönch P. Lambert Guppenberger verfaßt hat, wird von einer1095 vollzogenen Weihe einer kleinen Kirche in Adlwang gespro-chen, wozu der Salzburger Erzbischof Thiemo das AdlwangerGnadenbild aus Steinguß, das ein Vesperbild ist, angeblich her-gestellt hat. Nach Dehios Handbuch 5) wurde diese Statueam Beginne des XV. Jahrhunderts geschaffen. Diese schätzungs-weise Angabe hat viel für sich, da in Guppenbergers genanntemBuche ein Ablaßbrief von 1431 für das Adlwanger Gotteshauserwähnt wird. In diesem päpstlichen Indulgenzbriefe wird ausdrück-lich hervorgehoben, daß sich in dieser Gnadenstätte vorwiegendan Marienfeiertagen eine große Menschenmenge einfinde, daẞdie in ruinenhaftem Zustande befindliche Kapelle infolgedesseneinen zu kleinen Fassungsraum aufweise und daß Papst Eugen IVjedem, der hier einen Ablaß gewinnen wolle, außer den gewöhn-lichen Bedingungen auch zur Pflicht mache, einen Geldbetrag zumKirchenbau zu spenden. Guppenberger schreibt, daß damals ausdiesem Grunde zu einer Vergrößerung des Kirchleins geschrittenwurde, das nach Dehios Handbuch urkundlich bereits ca. 1330 alsMarienkapelle nachzuweisen ist). In diesem Werke wird fernerder Chor- und Turmbau in das Jahr 1431 und die Erweiterung derKirche in das Ende des XV. Jahrhunderts verlegt.

Obwohl man die Ansicht A. Hoppes, daß die Verehrung deshl. Brunnens in Adlwang Erzbischof Thiemo von Salzburg denunmittelbaren Anlaß zur Erbauung einer in der Nähe befindlichenKirche gegeben habe, aus Mangel an gesicherten Belegen nicht ver-werten kann, so liegt vielleicht doch ein Schimmer von Wahrheitin dieser vermutlich entstellten Angabe. Denn in dem gedrucktenAdlwanger Mirakelbuche von 1683, auf dessen Beschreibung imKapitel II. Abschnitt 1, näher eingegangen wird, findet sich von demHerausgeber desselben, Pater Gothard Freyd, die Bemerkung,daß nach Aussage der Brunnengräber der Ursprung der sogenann-

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