chen, daß in der zweiten Hälfte des XIX. und im ersten Drittel desXX. Jahrhunderts das Opfern von Weihegaben in der Regel hiernicht abgekommen ist, doch sind die Votive aus den jüngstverflos-senen Jahrzehnten fast durchaus wertlose Gegenstände, die dasabgewandte Unglück selbst bezeugen, oder billige Öldrucke, meistmit Darstellungen der hl. Maria, die fast ausnahmslos unbeschriftetsind. Mitunter fanden sich als Opfertafelersatz handschriftlicheNotizen, die wenigstens noch einen kurzen Wunderbericht mitOrts-, Jahres- und Votantenangabe enthalten. Votivtafeln jedoch,welche wie die der Barockzeit die mirakulösen Vorgänge zur Dar-tsellung bringen, sind seit dem Beginne des XX. Jahrhundertsäußerst selten zu treffen, aber noch immer häufiger als wächserneOpfer, wenn man von den geopferten Wachskerzen absieht. In letz-terer Hinsicht ist es in Adlwang anders bestellt. Am 7. September1934 lag auf dem Gnadenaltare neben 2 Wachskerzen 1 wächsernesOpfertier, und Mitte August 1935 bemerkten wir ebendaselbst 4Wachsfüße. Neben 1 Paar älteren Votivbildern, die jedoch nichtvor 1800 gemalt wurden und gleich neben einigen Krücken auf derRückseite des Hochaltars aufgehängt sind, erschaut man in dieserWallfahrtskirche an der gleichen Stelle eine größere Anzahl moder-ner Öldrucke, die bezeugen, daß auch hier in den letzten Jahr-zehnten die Wallfahrer den früher gewahrten inneren Zusammen-hang zwischen Votanten und Votiv zum Teil verloren haben oderdoch in ihren religiösen Anschauungen nüchterner geworden sind.Auch in Adlwang überwiegen heute unter den Wachsopfern dieKerzen. Rechts vom Gnadenaltar steht eine große Eisenpfanne, aufder die geopferten Kerzen angezündet werden.
12. Der kultgeographische Streubereich derAdlwanger Waller
Ein Hauptfaktor für die Berechnung der Kultdynamik ist nebenden Kultfiliationen, die aber bei der Adlwanger Madonna nicht vor-gekommen sind, der geographische Streubereich der Waller. Wie ausdem Vorstehenden ersichtlich ist, erstreckten sich die Eintragungenin den Mirakelbüchern von dem Jahre 1628 bis einschließlich 1745,das ist also ein Zeitraum von den ersten Regierungsjahren desKaisers Ferdinand II. bis in die Aera Maria Theresias hinein. Vonden festbestimmbaren 576 Buchungen, die sich aus dem gedrucktenund ungedruckten Mirakelbuche ergeben, sind 120 ohne Landes-und Ortsangabe, bei 419 Eintragungen stammten die Begnadetenaus Oberösterreich und zwar 8 aus diesem Lande 63), bei denen dieOrtsangabe fehlt, 316 aus dem Traunviertel, 85 aus dem Hausruck-viertel, 12 aus dem Mühlviertel einschließlich des Machlandviertels.
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