aussprechen konnte. Die vollständige Vernichtung der über ihn vomTeufel ausgeübten Gewalt geschah aber erst durch die Auflegungder heiligen Hand Marias( s. Anhang Nr. 4). Erwähnt sei noch, daßeine Frau aus Wels 1687 sich durch eine Adlwanger Kirchfahrt einesGespenstes entledigte, das sie durch 3 Jahre verfolgt hatte.
3. Seelische Vorgänge als Antriebe zurWallfahrt
Es liegt auf der Hand, daß der mit einer Krankheit oder miteinem Gebrechen Behaftete sowie auch jener, den ein anders ge-arteter Unglücksfall traf oder erwartete, in der österreichischenBarockzeit, in der der Kult der hl. Maria seinen Höhepunkt erreichte,gläubigen Herzens in kummervollen Stunden oder Tagen die katho-lische Himmelskönigin um Hilfe anflehte, und daß der von seinemLeiden oder Ungemach Befreite der Madonna in Form von Gebetenund Opfern seinen Dank übermittelte. Als das wirksamste Mittel.sich von jedwedem seelischen oder körperlichen Unheile zu befreienoder es vorzeitig abzuwenden, galt daher damals allgemein inÖsterreich das Gelübde zu einer Wallfahrt nach einer Gnaden-stätte. Die Erfüllung dieses Verlöbnisses nach abgewandtem Un-glück galt jedem katholischen Volksfrommen als heilige Pflicht. Auchzum Adlwanger Gnadenbilde in Oberösterreich, dessen Wunder-kraft, wie schon bemerkt, in den Augen des frommen Volkes vor-nehmlich seit dem Auftreten der Pest in den Jahren 1679-1682 inden österreichischen Ländern bedeutend gestiegen war, wurdenviele derartige Verlöbnisse gemacht und auf Grund dieser Ver-sprechungen Dankwallfahrten unternommen. Nur selten kam es vordaß der Hilfesuchende entweder selbst oder in Stellvertretung eineBittwallfahrt dahin angetreten hat. In der Regel schloß sich auchdann nach erfolgtem Gnadenbeweise eine Dankwallfahrt an. Dochsind der Fälle auch nicht wenige, in denen ohne vorhergegangenesGelübde eine Pilgerfahrt dahin als Dank für glückliche Heilung odersonst gut überstandene Gefahr stattgefunden hat. Gewiß waren, wieim vorhergegangenen 2. Abschnitte gezeigt worden ist, hier vor-wiegend Krankheiten und Gebrechen die subjektiven Beweggründezur Wallfahrt. Der Antrieb zur Peregrinatio ging meist von denHilfesuchenden selbst aus, soweit es sich nicht um unmündige Kin-der handelte. In letzteren Fällen sind begreiflicherweise die Elternoder ein Teil derselben auf Grund eines Gelöbnisses oder ohne das-selbe nach Adlwang gewallfahrtet. Doch kam es immerhin bisweilenvor, daß die hl. Maria, und zwar zumeist das Adlwanger Gnaden-bild selbst als überirdische treibende Kraft Volksfrommen imTraume erschien und sie zur Wallfahrt aufforderte. In den Adlwan-ger Mirakelbüchern sind 11 derartige Traumerscheinungen im Zeit-
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