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Die Wallfahrten nach Adlwang im Lichte der Mirakelbücher : (1620-1746) ; eine volkskundlich-kulturhistorische Studie
Entstehung
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nicht von ihrem Kinde abkommen kann, die Pilgerfahrt ausführt.1682 vollzieht von Leonstein a. d. Steyr aus eine Schwester fürihren von der Verzauberung geheilten Bruder die Dankwallfahrt.Im gleichen Jahre, der Ort ist nicht angegeben, übernimmt ein Boteeine Bittwallfahrt. 1721 wallfahrtet eine in Pilgertracht gekleideteFrau aus Aachau für eine andere. Aus einer Eintragung, in derweder eine Orts- noch eine Jahresangabe gemacht ist, die sich aberwohl auf Oberösterreich beziehen dürfte, wird vermerkt, daß einermordeter Gerichtsdiener seiner Schwester in Pilgrimstracht er-schien, und letztere darin eine Aufforderung zu einer AdlwangerKirchfahrt erblickt hat. Ferner wird dabei gesagt, daß nach Vollzugdieser Wallfahrt der Bruder sich ihr nicht mehr gezeigt hat. Es istanzunehmen, daß die Schwester der Meinung war, ihr Bruder habesich nach Adlwang verlobt.

5. Wallfahrtserschwerungen

Man darf als gegeben voraussetzen, daß auch die meistenEinzelwallfahrten nach Adlwang zu Fuß ausgeführt worden sind,wenn auch in den Mirakelbüchern meistens nichts darüber gespro-chen wird. Besondere, sich zur Buße auferlegte Erschwerungen aufdem Wallfahrtswege oder späterhin sind nur über eine kleineAnzahl begnadeter Pilger überliefert. Es mag vielleicht ein Fall von1680 hierher zu rechnen sein, in dem ein Mann aus Kremsmünstersamt Weib Glossar ::: zum Glossareintrag  Weib und Kind zu Fuß nach Adlwang wallfahrtete, weil dieseTatsache ausdrücklich in den Mirakelbüchern erwähnt wird. 1684trug eine an dem Steg wohnhafte, von den Petetschen geheilte Per-son von ihrem Hause aus ununterbrochen bis zur Adlwanger Wall-fahrtskirche ein brennendes Licht in der Hand. 1689 verlobt sich einFußleidender zu einer Fußwallfahrt nach Adlwang. 1699 fastete einPilger einen vollen Tag strenge vor seinem Aufbruch zur Wallfahrt.1730 verlobt sich ein Votant zu einem strengen Fasten bei Wasserund Brot für die Dauer eines Jahres.

6. Gelübde zu mehrmaligen AdlwangerWallfahrten

Es ist menschlich begreiflich, daß Heilung suchende Kranke, umHilfe bei der Adlwanger Madonna sicherer zu erflehen, sich durchein Gelöbnis zu einem öfteren Besuche der Adlwanger Wallfahrts-kirche verpflichtet haben. Manche der Geheilten mochten in derErfüllung einer solchen Verpflichtung auch bloß ihre große Dank-barkeit dem wundertätigen Gnadenbilde bezeugen. Man begegnetdaher in den Mirakelbüchern häufig dem Vorkommen von Gelübden

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