Druckschrift 
Vertriebene und Verbliebene erzählen : Tschechoslowakei 1937-1948 ; Ausstellung und Videoinstallation, 10.2. - 10.4.2016
Entstehung
[Wien] [2016]
Einzelbild herunterladen
 

Pozsony- Pressburg-

Bratislava. Das Ende einermultiethnischen Stadt

Deák- utez- Delk- Gasse

Halászkapu- utca. Fischerth orgassePozsony.

POSZTO TUCH

Fotografie von Bratislava/ Pressburg/ Pozsony ausdem frühen 20. Jahrhundert, als die Beschilderungin den Straßen meist dreisprachig war( Fotos:Bratislavské rožky).

Pressburg/ Bratislava/ Pozsony- oder auch Prešporok- war eine dreisprachige, mul-tiethnische und multikonfessionelle Stadt,die sich an ihrer eigenen Vielfalt erfreute.Davon erzählen alle Interview-partnerinnen dieses Projekts.

Die Dreisprachigkeit hatte hier etwasgleichermaßen Lustvolles wie Chaotisches.

Man erzählt, dass oft in einem einzigen Satz

dreimal die Sprache gewechselt wurde, unddass die Pressburger sich dessen bewusstwaren, in welcher Sprache sie geradesprachen. Von einem Sprachkonflikt, vonAntagonismus oder Konkurrenz, wie sie et-was in Brünn bestanden, ist kaum die Rede.

Obwohl der Antisemitismus in der Slowakeiund vor allem unter den Katholiken sehrverbreitet war und die Nazis in dieserHinsicht keine Überzeugungsarbeit zuleisten hatten, war das allgemeine Klimain der Hauptstadt tolerant und liberal. Trotzder starken Bindung der faschistischenRegierung an den deutschen Nationalsozia-lismus waren die meisten Deutsch- Slowakenkeine begeisterten Nationalsozialisten.

Die Lebensbedingungen in der Slowakeiwaren während des Krieges relativgut. Das änderte sich schnell mit demNäherkommen der sowjetischenFront und dem Nationalaufstand.

Nach Kriegsende, der Vertreibung der,, deutschen" Bevölkerung und dem Bevöl-kerungsaustausch bzw. der Vertreibungder Magyaren waren das soziale Klimaund der kulturelle Flair, die die Stadt bis1939 geprägt hatten, nachhaltig zerstört.

27

27