Eine jüngere tschechische und slowakischeGeneration- wie alle MitarbeiterInnen vonAntikomplex( Prag), die sich seit nunmehr17 Jahren im Sinn des paradigmatischenNamens der Institution intensiv mit demThema befassen- kann einen befreitenBlick auf diesen Geschichtsabschnitt unddie tief greifenden Veränderungen, die dieAussiedlung für das Land und die Kultur derTschechoslowakei mit sich brachte, richten.
In Österreich wurde der Diskurs wiederumlange Zeit von den Landsmannschaftenbestimmt, also den institutionalisierten Ver-treterInnen der Vertriebenen, die neben einerkulturellen vor allem auch eine politische Re-präsentation darstellten und dabei materielleAnsprüche gegenüber der Tschechoslowakeivertraten. Was den Landsmannschaften da-bei wenig gelang, war, das Thema zu einemöffentlichen Anliegen der österreichischenGesellschaft zu machen. Ein Hindernis be-stand in der nicht selten wahrgenommenenNähe zum rechten Spektrum der Politik.Damit verbunden war die Verdrängungdessen, wie tief die Sudetendeutsche Parteiunter Konrad Henlein am Vorabend desZweiten Weltkriegs mit dem DeutschenNationalsozialismus verstrickt war und inwelchem Umfang die deutschsprachigenBewohnerinnen der Tschechoslowakei derPolitik der SdP und der NSDAP zustimmten.
Brno/ Brünn
Die ehemalige Wohnung der Familie Knessl in Brünn( Foto: Lothar Knessi).
Rund 20% der Brünner Bevölkerung gabenbei der Volkszählung 1930 die deutscheNationalität an. Die deutschsprachigeBevölkerung war im Stadtzentrum amdichtesten, in den Vororten dominierte dietschechische Sprache und in der Umgebunggab es wiederum deutsche Sprachinseln.Eine wenigstens rudimentäre Zweisprachig-keit war im städtischen Zusammenlebendie Regel, eine wirkliche Zweisprachigkeithäufig. Durch das enge zweisprachigeZusammenleben gab es auch eine wechsel-seitige Durchdringung der beiden Idiome.
Viele der InterviewpartnerInnen diesesProjekts stammen aus Brünn, meist aus
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