Das verlorene Haus unddas bewahrte Heim
lien- Annoncen, in denen„ kein Konfiskat" alswertsteigerndes Attribut angeführt wurde.
Horst Kaller mit der Pendeluhr, die von den nachfol-genden tschechischen Bewohnerinnen seiner undseiner Eltern Wohnung aufbewahrt wurde, für denFall dass jemand von den Vertriebenen zurückkommt.
Für die Vertriebenen und für viele,, Deutsche“, die im Land bleiben konnten,war der erste und einprägsamsteSchock jener, aus dem eigenen Haushinausgeworfen zu werden und darin allesoder fast alles zurücklassen zu müssen.Die politische Vorgabe, eine mehrereMillionen zählende Gruppe für mehr oderminder vogelfrei zu erklären, erregte beieinem Teil der Bevölkerung jede Art vonRaublust, während ein anderer Teil den„ Ausgestoßenen" gegenüber menschlichblieb, auch in Eigentumsfragen.
Obwohl gesetzlich legitimiert, hinterließ dieradikale Enteignung der„ Deutschen" in dertschechoslowakischen Bevölkerung überJahrzehnte hinweg ein Unbehagen, dasstellenweise an die sichtbare Oberflächetrat: als Angst, die vormaligen Besitzinnenkönnten das„ Konfiskať" doch irgendwannwieder zurückfordern; oder etwa in Immobi-
Wesentlich für das Verständnis zwischenTschechen und Slowaken einerseits undVertriebenen andererseits ist die Unter-scheidung zwischen materiellen Ansprüchen( auf die die Deutschen Landsmannschaftenjüngst offiziell verzichteten) und der emotio-nalen und seelischen Bindung an das Heimder Kindheit. Diese Bindung kann bewahrtbleiben, auch wenn der materielle Besitzunerreichbar ist. Ja, der Besitz oder dessenWiedererlangung liegen oft gar nicht imInteresse dieser seelischen Bindung. Für sieist wichtiger, ob der einstige Besitz von denneuen Eigentümern gepflegt und gewürdigtwird. Vernachlässigung und schlechterUmgang werden als schmerzhaft undtraurig empfunden- oder tragen zur innerenEntfremdung von der einstigen Heimat bei.
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