Druckschrift 
Vertriebene und Verbliebene erzählen : Tschechoslowakei 1937-1948 ; Ausstellung und Videoinstallation, 10.2. - 10.4.2016
Entstehung
[Wien] [2016]
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bürgerlichen Häusern und in einigen Fällenmit einem jüdischen Familienhintergrund,der in der Brünner Gesellschaft, zumalin der deutschsprachigen, noch häufigerwar als im gleichzeitigen Wien.

In der Monarchie waren Brünn undSüdmähren aufs Engste mit Wien alsder k.k. Reichshaupt- und Residenzstadtverbunden. Diese Bindung setzte sichauch in die Erste TschechoslowakischeRepublik fort, und zwar ebenso bei dertschechischen wie bei der deutschsprachi-gen Bevölkerung- und war wohl mit einGrund dafür, dass so viele der aus BrünnVertriebenen sich in Wien ansiedelten.

In Brünn bestand seit dem ausgehenden19. Jahrhundert ein gewisser kulturellerWettbewerb der Sprachgruppen- etwa imTheaterleben, den Sportvereinen und imgesamten Vereinswesen- in einem meistfriedlichen Neben- und Miteinander. Fürviele Menschen spielte die Nationalität einegeringe Rolle, und das gesellschaftlicheLeben erlaubte alle Übergänge der Selbst-positionierung bis zur nationalen Indifferenz.

In den 1930er Jahren nahmen die natio-nalen Konflikte zwischen, Deutschen" und,, Tschechen" zu, wurden aber bis etwa 1937noch immer von relativ kleinen Gruppen aus-getragen. Mit der zunehmenden Hegemonieder Henlein- Bewegung unter den deutschenParteien, ihrer immer deutlicheren Annähe-rung an den deutschen Nationalsozialismusund dem damit einhergehenden kulturellensowie politischen Führungsanspruch nahmendie Konflikte zu und es wurde schwieriger,

jenseits der eindeutigen sprachlich- kulturel-

len Zuordnung zu leben, sofern man nichtselbst weitgehend perfekt zweisprachig war.

Nach dem Vertrag von München im März1938 und umso mehr nach der deutschenBesetzung Böhmens und Mährenskam es zur deutlicheren Trennung derSprachgruppen. Die ,, deutsche Kultur" wareindeutig bevorzugt, ohne dass allerdingsdas Tschechische als Sprache starkunterdrückt worden wäre. Eine friedlicheund freundschaftliche Beziehung zwischen,, Deutschen und Tschechen" war imkleinen, nachbarschaftlichen Rahmennach wie vor möglich und nicht selten.

Die jüdische Bevölkerung wurde wieüberall im direkten Einflussbereich desdeutschen Nationalsozialismus radikalmarginalisiert, verfolgt und ermordet,was die Zusammensetzung und daskulturelle Profil des, deutschen Bürger-tums" von Brünn stark veränderte.

Zu Kriegsende wurden die Brünner Industrie-gebiete vergleichsweise stark bombardiert.Kurz nach der Befreiung durch die RoteArmee am 26. April 1945 und nach demoffiziellen Kriegsende wurde die verbliebene,, deutsche" Bevölkerung zuerst bei einemBesuch Edvard Beneš' am 12. Mai inSchulen interniert, bald wieder freigelassen,um schließlich ab dem 31. Mai aus derStadt in Richtung österreichische Grenzegetrieben zu werden( siehe Vertreibung").

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