wendete zur ,, Schnürung" der Taille einen 14 bis 16 cm breiten roten, frü-her auch blauen oder schwarzen handgewebten Wollgürtel(' s girtele) mitdrei Meter langen Fransen( tsetn) an beiden Enden; er wurde vielmals umdie Körpermitte geschlungen und hinten gebunden. 30)
Als Übergewand diente eine ärmellose Joppe( jöppe) aus weißem Tuch, dasins Grünliche oder Bläuliche spielt. Dieses Tuch wurde vermutlich u. a. inLichtenbach erzeugt. Die Joppe ist vorne gehaftelt, der Schnitt ist dem ba-rocken Just- au- corps verwandt. 31) Die Kanten und Nähte sind teils mitschwarzem Stoff eingefaßt, teils mit aufgenähter grüner selbstverfertigterSchnur betont. 32) Auf den Schultern ist je ein flacher dreieckiger Keil ange-setzt, die Verbindungsnaht ist dort rot passepoiliert. Im vorderen Bereichwurde die Joppe farbig gefüttert, so daß dieses Futter beim Gehen zu Sehen
war.
Die Sonderform einer Joppe trugen nach mündlicher Überlieferung dieFrauen im östlichsten Tal zwischen Pöllandl und Wertschetz: Sie ist demvorne geschlossenen, seitlich aber offenen Wetterfleck( Poncho)verwandt. 33)
Über die Joppe wurde der weiße Kragen( dr kolar) aus feinstem Leinen mitschlichter Ajourarbeit und die bunten Seidenbänder( de pintpantlain) ge-legt. Den Kopf bedeckten Frauen und Mädchen mit dem großen weiß ge-stickten leinenen Kopftuch( tiechle). Es wurde im Nacken gebunden, derrechte Zipf über die Schulter nach vorne, der linke unter den Hauptteilnach hinten gelegt. Zur Arbeit trug man färbige, kleinere Kopftücher( hi-derlain). Rote Strümpfe aus Baumwollgarn und schwarze Schnürschuhe ver-vollständigten den Anzug.
Inv. Nr.: 5507( Hemdkleid), 5509( Kragen), 5511( Strümpfe), 5513( Seidenmasche), 22.351( Gürtel aus Morobitz), 61.424( Kopf-tuch aus Morobitz, aus der Zeit um 1850); 60.710( Joppe).
30) In der Zwischenkriegszeit wurde von den Gottscheer Mädchen in bewußter Anlehnung eine ,, al-penländische Tracht engeführt, bestehend aus einem karierten Leibkittel, einer weißen Blusemit breitem, weichem Kragen, einem farbig gestickten weißen Tuch mit Fransen und einer dun-klen Schürze. Vgl. Herbert Otterstädt, Gottschee. Verlorene Heimat deutscher Waldbauern( Freilassing, 1962), S. 94 und 98 f.
31) Viktor Geramb und Konrad Mautner, Steirisches Trachtenbuch( Graz 1932-1935), Bd. I, S.435-439.
32) Es gibt zu denken, daß solche Schnüre in derselben Art auch an Grönlandfunden vorkommen,bei denen auch Schnitparallelen festzustellen waren.
33) Maria Kundegraber, Herkunft und Deutung eines Obergewandes aus Pöllandl( Koč. Poljane).In: Alpes Orientales 5( Ljubljana, 1969), S. 261-288.
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