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Sonderausstellung Volkskunde der Gottscheer : die Sammlung des Österreichischen Museums für Volkskunde aus der ehemaligen deutschen Sprachinsel Gottschee in Slowenien ; Katalog
Entstehung
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Seit der Mitte und noch mehr seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert setzte dieAuswanderung nach Amerika in so starkem Maße ein, daß die Bevölkerungszahlbeträchtlich zurückging. Mancher Gottscheer allerdings kam mit seinen Erspar-nissen zurück in die Heimat und verbesserte dort seine Wirtschaft, baute ein neu-es Haus, kaufte Grund dazu und stellte besseres Vieh ein, um leichter zu wirt-schaften. Manches stattliche Haus zeugte von dieser Entwicklung, wie auch ver-fallende Häuser Kunde davon gaben, daß der Besitzer in Amerika geblieben war.Aber auch andere Bemühungen sollten den bescheidenen Ertrag und die gerin-gen Arbeitsmöglichkeiten im Ländchen verbessern. So wurde die Holzfachschule1882 gegründet, die bis 1919 bestand. Der Fürst Auersperg versuchte den Betriebeiner Glasfabrik, die freilich wenig Erfolg hatte, da das Rohmaterial für die Glas-fabrik herangebracht werden mußte. Von Dauer war der Tagbau im Schalkendor-fer Kohlenbergwerk, der vielen Gottscheern Arbeit bot.

Die bescheidene Entwicklung wurde durch den Ausgang des Ersten Weltkriegeszum Stillstand gebracht, ja es kam zu einem eindeutigen Rückschritt, zumal imneuen Staat Jugoslawien den Gottscheern auch die Bildungsmöglichkeiten er-schwert oder gar genommen wurden. Es setzten wohl von außen her Versucheein, den Gottscheern wirtschaftlich wieder zu helfen, doch machte der Ausbruchdes Zweiten Weltkrieges schließlich alle Bemühungen zunichte.

Das Aussiedlungsabkommen zwischen Hitler und Mussolini bedeutete den Un-tergang. Eine verantwortungslose Politik hat vollendet, was 30 Jahre Slowenisie-rungsversuche nicht zustande brachten. Vor Weihnachten 1941 verließen diemeisten Gottscheer schweren Herzens ihre Heimat und wurden im Raum Rann( Brežice) und Gurkfeld( Krško) in der südöstlichen slowenischen Untersteiermarkangesiedelt in Höfen, aus denen man slowenische Bauern vertrieben hatte.1945 versuchten die Gottscheer viel zu spät Österreich zu erreichen, manche auchin ihre alte Heimat zurückzukehren. Mit Flüchtlingselend, Verfolgung, Tod undNot mußten sie für die Irrwege der großen Politik bezahlen. Heute leben die mei-sten Gottscheer und ihre Nachkommen in den Vereinigten Staaten, aber auch inKanada und Australien, ja in Südamerika. Eine große Zahl aber ist in Österreichund in Deutschland geblieben. Durch Fleiß, Tüchtigkeit und Intelligenz habensie sich eine neue Existenz geschaffen. Ihre Kultur freilich, ihre eigentümlicheSprache sind verloren. Häuser und Kirchen ihrer Heimat sind größtenteils zer-stört, ihr geistiges Erbe wurde aufgezeichnet und liegt in Archiven und Museenbewahrt. Die Forschung kann sich ihrer bedienen.

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