che wissenschaftliche Hinwendung zu Volksleben und Volkskultur der deutschenBevölkerung in der Gottschee vollzieht sich, wie Maria Kundegraber weiter untenausführt, jedoch erst viel später im Zeitalter des Positivismus und Liberalismusdes ausgehenden 19. Jahrhunderts, als in Österreich das Fach Volkskunde ent-stand und zuvor mit dem österreich- ungarischen Ausgleich von 1867 und derseitdem in der Doppelmonarchie vorherrschend gewordenen Nationalitätenfragedas linguistische und ethnographische Interesse an den verschiedenen Sprach-gruppen des Vielvölkerstaates lebhaft erweckt worden war. Wesentlich mitgetra-gen von dem durch Michael Haberlandt und Wilhelm Hein 1894 in Wein ge-gründeten Verein für österreichische Volkskunde und dem von ihnen 1895 ins Le-ben gerufenen Österreichischen Museum für Volkskunde, sowie von der gleich-zeitigen Zeitschrift für österreichische Volkskunde, setzt noch vor der Jahrhun-dertwende die sammlerische Aufarbeitung der Gottschee durch die Volkskundeein. Bereits ein Jahr nach der Gründung des Museums, 1896, wird eine durch Mi-chael Haberlandt aufgebrachte Sammlung von 42 Gottscheer Objekten dem nochjungen Museum einverleibt: Keramik und Arbeitsgeräte, darunter ein Pflug, einOchsenjoch, geschnitzte Mulden, Zimmermannswerkzeug, Tierfallen, aber aucheine bemalte Truhe und Wiege. Der gebürtige Laibacher und Prager GermanistAdolf Hauffen, der kurz zuvor 1895 das grundlegende Werk über die Volkskun-de der Gottscheer veröffentlicht und im 1. Band der Zeitschrift für österreichischeVolkskunde» Zur Gottscheer Volkskunde« geschrieben hatte, steuert in demsel-ben Jahr eine Gottscheer Frauentracht bei. Der Gottscheer Lehrer WilhelmTschinkel steht in den Jahren 1904 bis 1919 in einer ständigen Verbindung zumVerein und Museum und liefert in dieser Zeit nicht nur wiederholt Zeitschriften-beiträge, sondern vermittelt dem Museum auch insgesamt 17 volkskundliche Ge-genstände aus der Gottschee, vor allem Trachtliches. Zu diesen verschiedenenGegenstandsgruppen kommen einzelne Sachzeugnisse aus der Hausindustrie-Ausstellung von 1905/1906 in Wien hinzu und später religiöse Kleingraphik ausder Sammlung Gustav Gugitz und künstlerische Bildbezeugungen, zuletzt vomakademischen Maler Josef Weninger.
Eine Nachsammlung, begleitet von unmittelbaren volkskundlichen Erhebungenim Gelände, wurde vom Österreichischen Museum für Volkskunde selbst unter-nommen, als Maria Kundegraber als seinerzeitige Kustodin dieses Museums inden Jahren 1961 bis 1968 mit Unterstützung des damaligen Bundesministeriumsfür Unterricht und Kunst und der Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt,vor allem aber auch aus eigener Tasche, wiederholte Kund- und Sammelfahrtenin die Gottschee durchgeführt hat. Das erste Mal zu Fuß, dann mit dem Fahrradund zuletzt mit dem Auto unterwegs, war es ihr möglich, den umfangreichsten
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