material haben wir aber erst seit dem 18. Jahrhundert. Wiederholt wird je-doch in den Quellen darauf hingewiesen, daß sich früher im Umkreis derheute einsam auf freiem Feld liegenden Kirche ein Dorf befand, das vieleJahrhunderte vorher zerstört worden sei. Conti kann überzeugend nachweisen,daß diese Zerstörung im Zusammenhang mit den Sarazeneneinfällen im 9. und10. Jahrhundert stattgefunden haben muß, zur selben Zeit, wo auch die StadtOria wiederholt Plünderungen und Zerstörungen ausgesetzt war. Conti istweiterhin der wohlbegründeten Ansicht, daß Dorf und Kirche von St. Kosmasund Damian den Griechen und näherhin den Basilianermönchen zugeschrie-ben werden müssen. Diese Mönche hatten nämlich in Oria ein Zentrum voneiniger Bedeutsamkeit. Schon bald nach ihrer Vertreibung aus dem Osten be-saßen sie in Oria zwei stattliche Klöster, eines unter dem Titel des heiligenBasilius, das andere unter dem Titel des heiligen Gregorius. Von hier auskultivierten sie ein weiträumiges Territorium im Umkreis von Oria,und schon der Name des Dorfes Kosmas und Damian, womit sie ihre Lieb-lingsheiligen ehrten, weist darauf hin, daß es sich um eine Gründung dieserMönche gehandelt haben muß, welche, wie Conti schreibt, zusammen mitihrer Sprache, ihren Sitten und Bräuchen auch den Kult ihrer Heiligen hierherübertragen haben. Leider sind uns aus dieser frühen Zeit keine weiteren Einzel-heiten überliefert, da das Aktenmaterial erst mit der Erbauung der neuenKirche im 18. Jahrhundert reichlicher fließt. Damals erst wurde auch derfünfte Donnerstag nach Ostern als Termin für die Feier des Patroziniums derheiligen Märtyrer bestimmt, welche seither große Mengen von Gläubigen anjene altheilige Stätte führte. Heute bildet die Kirche Santi Cosma e Damianoeine der berühmtesten Wallfahrten ganz Apuliens. Sie wird von Nonnen be-treut, die ein kleines, neben der Kirche gebautes Kloster, ein niederes, altesBauwerk, bewohnen. Wir besuchten den Ort zum erstenmal im April 1953und konnten dabei die ersten Anfänge eines in den nächsten Jahren vollen-deten Neubaues antreffen. Die reichlich anfallenden Opfergelder ermöglichtensehr prunkvolle Entwürfe, deren Vollendung mehrere Jahre beanspruchenwird. Das Kloster soll vergrößert werden, da im Zusammenhang mit ihmauch Pilgerherbergen entstehen sollen. Vor der Kirche ist ein großes Rondellgeplant, mit einem Altar im Freien, da die Kirche an den Haupt- Wallfahrts-tagen die zahlreichen Pilger nicht alle fassen kann.
Diese selbst stellt einen breiten, dreischiffigen Hallenbau dar. Die beidenärztlichen Brüder werden auf dem rechten Seitenaltar verehrt. Dort befindensich hinter Glas, in zwei großen Nischen, zwei holzgeschnitzte Brustfigurender Heiligen Kosmas und Damian, von ferne an Büstenreliquiare erinnernd,was insofern stimmt, als in den hölzernen Sockeln, welche die lebensgroßenKöpfe tragen, Reliquien eingelassen sind. Der Glasschrein auf dem Altare,der etwa 1,50 m breit und 2 m hoch ist, ist von oben bis unten dicht be-deckt mit silbernen Votivgaben. Alle vorkommenden Arten sind vertreten:Menschliche Figuren, teils in Gebetstellung, teils in der älteren Haltung mit
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