den. In eine der seitlichen Spalten hat man die Kapelle hineingebaut. Es han-delt sich um eine ganz schmale Höhle, die mindestens dreißig Meter tief ist.Die Kapelle erhebt sich in ihrem vorderen Teil und ist gegen rückwärts zuabgemauert; ein kleines Türchen neben dem Altar führt in den rückwärtigenTeil der Höhle. Dieser ist mit Fresken in byzantinischem Stile bemalt undendet rückwärts in einem ganz schmalen, finsteren Spalt. Man betritt dieKapelle durch eine mittelgroße Tür; ihre Längswände werden von den natür-lichen Felsen der Grotte gebildet. Links steht in einer Nische das alte, steinerneGnadenbild, eine sitzende Muttergottes mit dem Kinde, etwa aus der Zeitum 1600. Davor hat man in einem Glaskasten vor etwa fünfzig Jahren einelebensgroße Figur der Muttergottes mit dem Kinde aufgestellt, welche be-kleidet ist und eine Krone trägt. Bekleidung und Schmuck sind Weihegeschenkeder Wallfahrer. Sonst bemerkten wir keine Votive, doch sagte uns der nebender Kirche in einer Art Höhle wohnende Mesner, daß der Pfarrer diese ausSicherheitsgründen immer gleich mitnehme. Das Patrozinium findet am Sonn-tag nach Ostern statt. Um eine wirkungsvolle Figur bei der Prozession mit-tragen zu können, hat man das Gnadenbild durch eine moderne Statue er-setzt. Der Freskenschmuck an den Wänden der Höhle stammt aus dem drei-zehnten Jahrhundert.
Der gesprächige Mesner hatte uns auf unsere Fragen noch auf einigeweitere Höhlenwallfahrten hingewiesen. Eine davon liegt in südlicher Rich-tung, in der Nähe der kleinen Stadt Ceglia, ganz einsam auf dem flachenLande. Die Kirche trägt den Namen Madonna della Grotta. Deräußeren Lage nach erwartet hier niemand eine Grotte, denn die Kirche erhebtsich auf einer vollkommen ebenen Fläche. Es handelt sich hier um eine Artvon Einbruchsbecken, über welchem man einstens das Heiligtum errichtethat. Heute ist die Kirche profaniert und der Kult längst erloschen. Man hatdas Langhaus in mehrere Räume unterteilt, welche einem großen Bauern, dessenHof unmittelbar daneben steht, als Scheune und Stallungen dienen. Die West-fassade der Kirche ist noch ziemlich unversehrt erhalten. Man betritt sie durchein romanisch- gotisches Portal, in welchem sich ein Rosettenfenster befindet.Alle Kennzeichen sprechen für einen sehr alten Kult, der jedoch schon voreinigen hundert Jahren erloschen sein muß. Zwei breite Steintreppen führenhinunter in die Grotte. Die eine beginnt unter dem Hauptportal, die andereauf der rechten Seite des Langhauses, und beide kommen unten vor dereigentlichen Höhle zusammen, wo sie bei einem breiten, gepflasterten Vor-raum enden. An der linken Wandseite, also gerade gegenüber der von rechtskommenden Treppe, erhebt sich ein steinerner Altartisch. Man kann voneiner Art natürlichen Halle sprechen. Dahinter verlängert sich die Grotte tiefin die Erde und verzweigt sich in mehrere kleine Tropfsteinhöhlen, die jedochkeine Spur einer Benützung zeigen, obwohl wir sie ziemlich genau nach dieserRichtung hin untersuchten. Rechts vom Altar führen zwar einige in Steingehauene Stufen in den höhlenartigen Fortsatz der Halle, doch sind auch hier
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