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Peregrinatio neohellenika : Wallfahrtswanderungen im heutigen Griechenland und in Unteritalien
Entstehung
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Als ich so eine Zeitlang ziellos durch die winkeligen Gäßchen geschlendert war,vernahm ich plötzlich ein Gewirr von vielen Stimmen, Gelächter und Geschrei.Ich bog um eine Ecke und hatte vor mir einen kleinen freien Platz, mit einerherrlichen Aussicht auf das tiefer liegende Meer. Eine kleine Kirche war hiererbaut, und von unten her führte eine breite, mit großen Steinplatten be-legte Gasse herauf. Auf dem Platz vor der Kirche drängte sich eine dichteMenschenmenge, neu Hinzugekommene wurden mit dem Künden der Neuig-keit überfallen. Alle zeigten, heftig gestikulierend, immer wieder auf denPlatz, nahe vor dem Eingang zur Kirche, wo sich die Leute am dichtestenstauten. Als ich mich neugierig näherte, machte man mir sofort bereitwilligPlatz, und plötzlich stand ich vor dem aufregenden Ereignis: Der mit schwerenSteinplatten gepflasterte Platz war an einer Stelle aufgerissen und eine tiefe Grubeausgehoben worden. Darin kniete ein Mädchen und scharrte mit seinen Händenim Boden. Als ich mich über das Loch beugte, hob es einen Gegenstand hervor,einen noch ganz mit schwarzer Erde bedeckten Totenkopf. Alle brachen in lauteRufe des Staunens und der Freude aus; viele bekreuzigten sich und verneigtensich tief. Eine alte Frau faßte mich, der ich vor Überraschung ganz sprachloswar, an der Hand und zeigte mir einen kleinen Berg von vermoderten Kno-chen und alten Scherben, die bereits neben der Kirche aufgestapelt lagen. Dannerzählte sie mir, wie es zu diesem Fund gekommen war. Schon seit langerZeit habe die fünfzehnjährige Andrea Konstantinou im Traum Erscheinungender Panagia gehabt, die sie in ganz bestimmter Weise dazu aufgefordert habe,an dem genau bezeichneten Platz vor der Kapelle nachzugraben. Dort würdesie die Gebeine eines heiligen Mannes finden, welcher da zusammen mit einerwunderbaren Ikone begraben liege. Als das Mädchen nun drei Nächte vor demPalmsonntag nacheinander denselben Traum wiederum in großer Deutlichkeitgehabt habe, entschloß es sich, dies dem Papas anzuvertrauen, welcher danngleich mit der Öffnung des Grabes nach den genauen Angaben des Mädchensbegann. Die weiter oben liegende Ikone hatte man bereits gefunden und inder Kapelle eingeschlossen. Eine große Freudigkeit lag über der Menschen-menge, und die alte Frau bedeutete mir, daß mir eine große Gnade widerfahrensei, weil ich gerade zu dieser heilbringenden Entdeckung zurechtgekom-men sei."

Dieses persönliche Erlebnis hat in gewisser Hinsicht ein Gegenstück ineiner Erzählung, die Eckert und Formozis über die Entstehung der Wallfahrtzum heiligen Demetrios in einer kleinen Hauskapelle von Thessaloniki nachdem Bericht der Hauseigentümerin aufzeichneten und die gleichfalls in ähn-licher Art von der wunderbaren Auffindung eines heiligen Skelettes, in einemvermauerten Raum dieses Hauses, auf phantasievolle Weise berichtet78). Imgleichen Abschnitt ihres Buches79) bringen die Autoren noch eine Reihe wei-terer Berichte, die von blutenden, schwitzenden, weinenden und klagendenIkonen handeln, welche sämtlich nach Erzählungen von Gewährsleuten ausder Umgebung Thessalonikis abgefaßt wurden, und alle aus den Dreißigerjahren

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