der Diakon sich im Innern der Kirche befand, Volk und Presbyter aber drau-Ben. Es folgte nun ein liturgischer Wechselgesang zwischen außen und innen,an dessen Ende der Presbyter mit einem kräftigen Stoß die Türe öffnete unddie Versammelten wieder feierlich in die Kirche einzogen. Auf dem Ikonen-pult war ein Bild mit dem Auferstandenen aufgestellt. Es folgte nun die feier-liche Liturgie der gewöhnlichen Art; in der dunklen, silberglänzenden Kirchewirkte sie besonders feierlich. Nach Schluß der Liturgie stand der Igoumenosmit dem Evangelienbuch in der Hand vor der Königspforte, alle Teilnehmerzogen an ihm vorüber, küßten zuerst das Ikon des Auferstandenen, nähertensich dann dem Igoumenos, küßten das Evangelienbuch und hernach die bei-den Schultern des Priesters und seine Hand. Dabei begrüßten sie ihn mit demOstergruß Christos anesti", den er jedesmal erwiderte. Hierauf nahmen siedas Antidoron in Empfang. Nach Beendigung der Feier fanden wir uns mitden engeren Klosterangestellten zum österlichen Frühmahl zusammen. In einergroßen Schüssel wurde Reissuppe mit vielen Fleischstückchen aufgetragen. Dannfolgten die gekochten Eingeweide und der Kopf des Osterlammes. Der Igou-menos nahm sich den Kopf als besondere Delikatesse, dazu gab es guten, nichtrezinierten Rotwein. Gegen halb 4 Uhr begaben wir uns wieder zu Bett. Wirschliefen bis weit in den Vormittag hinein und erschienen erst gegen 10 Uhrzum Frühstück, wozu wir Kaffee und Ostergebäck vorgesetzt erhielten. DasOstergebäck spielt überhaupt eine große Rolle; Besuchern wird es in allenHäusern während der österlichen Festtage als Geschenk mitgegeben. Es be-steht aus einem gesüßten und mit Gewürzen zubereiteten Brotteig und hatdie verschiedensten Formen: Brezeln, Ringe, Schleifen, Räder, aber auchmenschliche Figuren. Ein solches besonders hübsches Stück hatte der Igoumenosvon seiner Schwester geschickt erhalten, es hing über seinem Sitz an derWand. In diese Gebäcke sind fast stets ein oder auch zwei rotgefärbte Oster-eier eingebacken, ab und zu werden auch noch weiße oder rote Federchenhineingesteckt.
Die Zeit des eigentlichen Osterfestmahles war rasch gekommen. Bei ihmwurden die restlichen Teile des Osterlammes verzehrt, welches man hierzu-lande sozusagen„ mit Butz und Stingel" aufißt. Es wurde abermals Reissuppemit Fleischeinlage serviert, dem zwei weitere Festgerichte folgten: Lamms-braten und dann in einer Schüssel eine für uns kaum genießbare Speise, näm-lich der zerschnittene und gekochte Magen des Lammes, der mit Salz bestreutgegessen wurde. Nach Tisch zogen wir uns alle zu einem Mittagsschlaf zu-rück, aus welchem uns erst die Ankunft der beiden Fischersöhne weckte.Wir verabschiedeten uns bald nach 3 Uhr und hatten bei strahlender Sonneund günstigem, leichtem Fahrtwind eine angenehme Rückreise.
Die Entstehung der Wallfahrt zum heiligen Michael gründet sich auf fol-gende Überlieferung: An dem Platze des heutigen Klosters habe vor vielenhundert Jahren eine arme Witwe mit ihrer Tochter unter einem Dornen-strauch das Bildnis des heiligen Michael gefunden. Sie verkaufte es um ein
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