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Peregrinatio neohellenika : Wallfahrtswanderungen im heutigen Griechenland und in Unteritalien
Entstehung
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zu stehlen und sie in die Kirche eines Nachbardorfes zu bringen. Dort ruhensie heute noch, was die Katholiken mit einiger Bitterkeit erfüllt. Zuletzt zeigtemir der eifrige Mesner noch eine kleine Marienkapelle. Gemalte Votivgabengibt es nirgends, in seltenen Fällen aber einige silberne Tammata nach Artjener der Griechen. Nur die Kaiserin Elisabeth stiftete für ihre Hauskapelleim Achilleion ein größeres Votivgemälde auf Grund eines Verlöbnisses beieinem Seesturm, in den sie mit ihrer Segeljacht auf der Adria geraten war.Die Jacht ist auf dem Bilde rechts unten zu erkennen, die Muttergottes er-scheint sinngemäß als, stella maris".

Lehrreicher war in dieser Hinsicht unser Besuch in der katholischen, demheiligen Georg geweihten Bischofskirche auf der zu den Kykladen gehörigenInsel Syra, die gleich zwei ausgesprochene Gnadenbilder enthält. Die Wall-fahrten dorhin bilden gewissermaßen das römisch- katholische Pendant zujenen nach dem benachbarten orthodoxen Tinos. Wir besichtigen die Kircheunter einigermaßen ungewöhnlichen Begleitumständen in einer milden März-nacht zwischen 8 und 10 Uhr, indem wir einen dreistündigen Schiffsaufenthaltauf der Fahrt von Tinos nach Santorin zu ihrem Besuch benutzten. Die StadtSyra ist ziemlich groß und baut sich auf zwei durch einen tiefen Grabengetrennten Hügeln terrassenförmig auf. Dem Hafen zunächst befindet sich dieorthodoxe Neustadt. Weiter rückwärts, etwas mehr im Westen, steigt aufeinem noch steileren Hügel die katholische Altstadt empor. Auf der höchstenSpitze des Hügels erhebt sich die dem heiligen Georg geweihte Bischofskirche.Der immer voller werdende Mond hatte die abendliche Bewölkung wieder auf-gesogen, und als wir zwischen steilen Hängen und gewundenen Treppen zurhöchsten Kuppe emporstiegen, beglänzte ein silbernes Licht geheimnisvoll dieweißen Häuserfronten, während schwarze Schlagschatten strichweise in dieengen Gäßchen fielen und das an die Helligkeit gewöhnte Auge plötzlich un-sicher machten. Zwischen 8 und 9 Uhr erreichten wir die um diese Zeit ge-schlossene Kirche. Zu gerne hätten wir sie auch im Innern gesehen, da wirwissen wollten, ob sich der katholische Votivbrauch dem orthodoxen in derDiaspora etwa stärker angeglichen habe als auf den vom italienischen Katholi-zismus beeinflußten Ionischen Inseln. Wir dachten nicht im entferntesten andie Erfüllbarkeit unserer Wünsche, als plötzlich wider alles Erwarten ein Prie-ster aus dem Dunkel trat und sich bereit erklärte, uns die Kirche aufzusperren.Er sah so vornehm und gebildet aus, daß wir ihn zunächst für den Bischofselbst hielten. Es war aber nur der Pfarrer, der allerdings mit dem Bischof imgleichen Hause wohnte. Im linken Langhaus der Kirche steht ein marianischerGnadenaltar mit einer neuen Kopie des Bildnisses Unserer Lieben Frau vomguten Rate. Vor ihm hängen genau dieselben in Silber gepreßten Tammatawie in den orthodoxen Kirchen Athens; auch ein vollplastisches silbernes Schiffhing an einer Schnur von der Decke herab. Wachsvotive und gemalte Tafelnsind nach Aussage des Priesters unbekannt. Am Hauptfest im November ver-sammeln sich hier zahlreiche der auf den umliegenden Inseln wohnenden Ka-

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