Frau mit verzerrten Zügen, womit der Maler auf das Hauptpatronat des Ere-miten angespielt hat. Alljährlich am Tage der Wasserweihe, dem 6. Januar,und zwar an der Stelle, wo bei den Gebeten von der Taufe Christi im Jordandie Rede ist, beschlägt sich diese Platte mit Wassertröpfchen, was von denKephaloniten als Wunder angesehen wird; sie streifen die Tröpfchen ab undbestreichen sich damit die Augen. Brauch und Glaube bilden gewissermaßeneine Parallele zum Myronwunder des heiligen Nikolaus( vgl. letztes Kapitel).Unterhalb der Holztafel befindet sich eine silbergetriebene Platte, welche indrei Felder unterteilt ist. In der Mitte gewahrt man eine Prozession mit demSchreine des Heiligen, wie sie über die Kranken hinwegschreitet, links undrechts davon werden auf zwei Feldern seine Wunder dargestellt. Auf der rech-ten Schmalseite des Sarkophages erblickt man ebenfalls eine silberne Treib-arbeit, welche zeigt, wie der Heilige vor seiner Eremitage wunderbarerweiseeine Marienikone findet.( Diese Ikone wird noch heute in der Kirche aufbe-wahrt und von den Gläubigen verehrt.) Die oben beschriebene Bildtafel läßtsich nach vorne herunterklappen, worauf in einem zweiten inneren Schreinhinter Glas der Heilige sichtbar wird. Die Innenseite derselben ist über undüber mit silbernen Tammata benagelt. Vor dem Sarkophag hängen drei große,schwere Silberampeln venezianischer Herkunft. Weitere geopferte Lampenschließen sich links und rechts an. Man kennt jedoch keine vollplastischenTammata, und unter den geopferten Ampeln hängen nur kleine silberne
Kreuze.
Die Rückwand des Schreines mit dem Heiligen ist ebenfalls mit silbernenTammata bedeckt. Vorne besitzt er eine gläserne Türe, welche geöffnet wer-den kann, so daß die Gläubigen Gelegenheit haben, die Hände des Heiligenzu küssen. Dieser trägt noch heute das Mönchsgewand, in welchem er be-stattet wurde, das jedoch dicht mit geopfertem Silber- und Goldschmuckbehängt ist. Nur seine Pantoffel werden jährlich erneuert, weil die alten zurHerstellung von Phylachta verwendet werden. Diese Arbeit obliegt den Non-nen des von Gerasimos gestifteten Ordens der Frauen vom Heiligen Jerusalem,welche das Heiligtum betreuen. Ein solches Phylachto besteht aus einem vier-eckigen Beutelchen, das folgende Dinge enthält: Teile der Pantoffel, Erde vonder Stelle unterhalb des Sarkophages, wo der Heilige vor der Erhebung seinesLeichnams bestattet war, Staub aus der Höhle, in welcher er zu seinen Leb-zeiten hauste, und Reste von geopferten Blumen. Wie beim heiligen Dionysioswird auch hier der Schrein des Heiligen mit einem Faden abgemessen, welcherebenfalls die Bedeutung eines Phylachto gewinnt. Heiligenbildchen und mo-derne Zelluloidanhänger in verschiedener Größe mit dem Bildnisse des Hei-ligen allein oder in seinem Sarkophage ruhend, die an der Leiche des Heiligenberührt werden, haben die nämliche Bedeutung. Zum 16. August werden andie Wallfahrer kleine Gerstenbrote, sogenannte„ dikonari", verteilt, welchevon den Nonnen aus dem Getreide der Felder des Heiligen selbst gemahlenund gebacken werden48).
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