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Peregrinatio neohellenika : Wallfahrtswanderungen im heutigen Griechenland und in Unteritalien
Entstehung
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nachts verließen wir die Kirche, um uns durch einen kurzen Schlaf für dennächsten Tag zu stärken.

Maria Verkündigung ist das Hauptfest von Tinos. Das heilige Bild trägtja auch den Namen Panagia Evangelistria. Ein strahlender, wolkenloser Früh-lingsmorgen war angebrochen und erst jetzt hatten wir Zeit, die Kirche näherzu betrachten. Den großen, stattlichen Hof, in dessen Mitte die Kirche steht,betritt man durch ein breites Portal. Der Hof bildet ein großes Quadrat, dasvon den Verwaltungsgebäuden auf der einen und von den erwähnten Pilger-herbergen auf der anderen Seite umschlossen ist. Die Kirche selbst erhebt sichauf einer Terrasse, die man über eine Steintreppe erreicht. Die weißen Mauernblenden in der Sonne. Auf drei Seiten ist der Kirche ein breiter Säulengangvorgelagert. Im rechten Hof steht ein zierlicher steinerner Brunnen, den aufGrund einer Heilung ein bekehrter Mohammedaner Glossar ::: zum Glossareintrag  Mohammedaner gestiftet hat. Dabei hatteer wohl die großen Kultbrunnen im Auge, wie sie innerhalb einer jeden großenMoschee vorhanden sind, und deren Wasser den Gläubigen für ihre kultischenReinigungen dienen. Er steht im Schatten von dunklen Zypressen, die zu denweißgetünchten Gebäuden und dem vielen Marmor einen denkbar großenKontrast bilden und inmitten des vielen Weiß beinahe wie schwarze Fackelnwirken.

Der Eindruck, den man vom Inneren der Kirche hat, ist der einer un-geheuren Prunkenfaltung, woran die Fülle der Opfergaben schuld ist. Ihrleuchtendes Silber steht auch hier wieder im äußersten Kontrast zu dem tiefenDunkel der Ikonen. Hunderte von silbernen Ampeln hängen an Ketten vonder Decke herab, an jeder eine individuell angefertigte Opfergabe, welche denspeziellen Verlöbnisgrund ihres Stifters andeutet. Die unter den Ampeln auf-gehängten Tammata sind manchmal von so erheblichen Ausmaßen, daß siefast den im katholischen Süddeutschland häufig vorkommenden silbergepräg-ten Votivtafeln zu vergleichen sind, auch deshalb, weil sie mitunter den Ver-löbnisgrund oder den Votanten oder auch das angerufene Heiligenbild in allerDeutlichkeit wiedergeben. Als Beispiel bringen wir die Spende eines Metzgers,welcher in eigener Person dargestellt wird, wie er im Innenraum seines Flei-scherladens steht und sich mit dem Hackmesser vermutlich die eine Handverletzt. Wie die eingravierte Widmung besagt, wurde das Bild erst im Jahre1947 geopfert( Abb. 5). Zum erstenmal in Griechenland sahen wir hier auch pla-stische Votivgaben, besonders häufig solche von Schiffen aller Art, vom ältestenSegelboot bis zum modernsten Dampfer. Sehr originell ist die Wiedergabeeines Fischerkahnes, der von einem Schwertfisch angestochen wurde; fernerbemerkten wir vollplastische Weinfässer und Weinreben aus Silber als Opfer-gaben von Weinbauern, des weiteren Häuser und einmal sogar die voll-plastische Wiedergabe einer ganzen bäuerlichen Gehöftanlage, bestehend auszwei Häuschen, von Mauer und Brunnen umgeben, alles zierlich in Silberausgeführt. Die prächtigste und kostbarste Votivgabe bildet aber ohne Zweifelein silberner Orangenbaum mit goldenen Früchten, der aus einer Vase auf-

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