frisch getünchten Häuser des gleichnamigen Dorfes schimmerten weiß imhellen Licht des Mondes. Oberhalb des Hafens erstrahlte die Wallfahrtskircheim Glanz ungezählter Lichter, in den Gasthäusern am Hafenplatz herrschtenoch lebhafter Betrieb und in den zahllosen Läden, die den sanft ansteigendenWallfahrtsweg säumen, saßen verkaufslüsterne Händler.
Bald nach 12 Uhr traten wir in die hell erleuchtete Kirche, in der zahl-reiche Ampeln entzündet waren. Diese und die dicht gedrängten Menschenverbreiteten eine reichliche Wärme und eine ziemlich stickige Luft. Wer esnicht erlebt hat, kann sich von dem nächtlichen Treiben in einer griechischenWallfahrtskirche kaum eine Vorstellung machen. Die Gläubigen fühlen sichdarin wie zu Hause und benehmen sich dementsprechend natürlich und un-gezwungen. Eng gedrängt sitzen sie am Boden, lehnen sich schlafend in dieFcken, junge Frauen haben ihre kleinen Kinder bei sich, ältere Personen bettenihr Haupt schlafend in den Schoß jüngerer Familienmitglieder. Bis an dieStufen des Altares hinauf ist alles mit Menschen erfüllt. Dort singt eine kleineGruppe religiöse Lieder, anderswo verzehrt ein Pilger, in die Provianttaschegreifend, sein bescheidenes Nachtmahl; zwischendrin sind für Ein- und Aus-gehende schmale Gänge freigehalten, wodurch es möglich ist, daß die neuHinzugekommenen, am Heiligenbild vorüberziehend, ihm mit Küssen dieschuldige Reverenz erweisen. Im ersten Stock des Gotteshauses befindet sichrückwärts über dem Eingang und an den beiden Längsseiten ein breiter Gangmit einem von Säulen getragenen Geländer, von wo aus man in das Gottes-haus herabsehen kann. Er ist in jedem seiner drei Teile etwa 20 m lang und4 m breit und dient den Gläubigen in der Nacht als Dormitorium. Sie sinddamit dem antiken Brauch der Inkubation treu geblieben, manche sind sichdessen auch bewußt, aber sie üben ihn nicht aus Gründen der Kultnachfolge,sondern weil er ihrem natürlichen Frömmigkeits- Stil entspricht, der sich inzweitausend Jahren kaum geändert hat. Viele Hunderte von Menschen lagendort oben, eng nebeneinander wie die Heringe, hoch und nieder, arm undreich, aber alle vom gleichen Glauben beseelt, dort Heilung zu erfahren odereines himmlischen Gnadenerweises im Traume teilhaftig zu werden. Wederder Geistlichkeit noch dem gebildeten Laien fällt es ein, die Beziehung zwi-schen dieser Sitte und dem antiken Kultbrauch etwa zu leugnen; ihr ausge-prägter Nationalstolz, demzufolge sie sich als Nachfolger der alten Hellenenbetrachten, veranlaßt sie sogar, derartige Dinge bei allem Wissen um ihreUnterschiedlichkeit eher positiv zu bewerten.
Die Kirche steht inmitten eines großen Hofes. Die ihn auf der linkenSeite umschließenden Baulichkeiten enthalten ebenfalls Pilgerherbergen. ImErdgeschoß sind die Zimmer leer, dort können die ärmeren Pilger am Bodennächtigen. Die Räume im ersten Stock besitzen einfache Betten und Wasch-gelegenheiten. Am zweiten Hauptwallfahrtstag, dem 15. August, schlafen wegender wärmeren Nächte auch viele Pilger im Freien. Zwischen 2 und 3 Uhr
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