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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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chen Veränderungen, die Geschichte der Privatsphäre und die Fa-miliengeschichte im Spiegel der großen Geschichte". Solche Foto-grafien, die gewissermaßen das visuelle Gedächtnis der Familie sind,sollten aber nicht nur hinsichtlich ihrer Funktion und Verwertung zumZeitpunkt ihrer Produktion, sondern auch hinsichtlich ihrer Rolle inder gegenwärtigen gesellschaftlichen und der familiären Kommuni-kation analysiert werden.

Die Fotos der deutschen Familien in Keszőhidegkút, Belecska undGyönk- jene südungarische Region also, die in der Sprachinselfor-schung der Zwischenkriegszeit als Schwäbische Türkei" bekanntgeworden ist- sind in den 1890er Jahren entstanden. Damals konn-ten verständlicherweise nur die reichsten Familien Hochzeitsbilderoder Porträtfotos anfertigen lassen- in der Regel von Berufsfotogra-fen aus den kleineren Städten Hőgyész und Dombóvár, die manentweder zu sich ins dörfliche Heim kommen ließ oder zu denen manselbst mit den Pferdekutschen fuhr, wobei man dann die Festtagsge-wänder, in denen man sich abbilden ließ, mitbrachte. Diese Fotos,die die außergewöhnlichen Seiten des Lebens festhalten, habenrepräsentative Funktion: Sie dienen der Erinnerung an feierlicheMomente, als Liebesgaben oder als Repräsentationsobjekte in derguten Stube. Lange Zeit haben etwa Hochzeitsfotos neben denHochzeitsgedenkblättern und Möbelinschriften existiert, oft haben dieFotografien auch der Ergänzung solcher Erinnerungsobjekte ge-dient- im eingerahmten Brautkranz beispielsweise oder in Soldate-nerinnerungen. Gerade der Erste Weltkrieg hat ja bei den ungarn-deutschen Familien eine massenhafte Fotoproduktion initiiert: DieFamilienmitglieder zu Hause( Frauen, Kinder und Eltern) habenAufnahmen machen lassen und den eingerückten Männern ge-schickt, während die Männer ihrerseits Porträtfotos in die Heimatgesandt haben. Und ähnlich war es auch im Falle der später rechthäufigen Emigrationen nach Amerika.

Im Folgenden rücke ich jene Gruppe von Fotos in den Vordergrund,die der Kommunikation mit den für einen bestimmten Zeitabschnittoder auch auf Dauer abwesenden Familienmitgliedern gedient ha-ben. Wenn ich mich hier vor allem mit den Aufnahmen aus der Zeitder Zwangsarbeit in der Sowjetunion( ,, malenkij robot) beschäftigesowie mit den Familienfotos, die nach der Aussiedlung der Deutschenangefertigt wurden, muss ich vorausschicken, dass dabei freilich nureinige Aspekte der Fotografien herausgehoben werden können; wieja auch der allen Familienfotos anhaftende emotionale Aspekt meinerMeinung nach sich den gängigen wissenschaftlichen Methoden ent-

zieht.

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