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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
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Die fehlende Wirklichkeit: Familienfotografiein Kroatien während der Zwischenkriegszeit

Suzana Leček

Der Ausdruck fehlende Wirklichkeit" im Titel bedarf zunächst wohleiner Erläuterung: Selbstverständlich haben und enthalten Fotogra-fien immer irgendeine Art von Wirklichkeit; aber es ist nicht dieWirklichkeit, auf die es mir als Historikerin ankommt. Ich habe michder Erforschung von Familiengeschichte gewidmet, und ein Gegen-stand meiner Dissertation war die gesellschaftliche und wirtschaftli-che Veränderung im nordwestlichen Kroatien während der Zwischen-kriegszeit, die am Beispiel des Wandels in der bäuerlichen Familieanalysiert werden sollte. Meine Kenntnisse und Forschungserfahrun-gen waren auf die Familienstrukturen( einschließlich Familienpla-nung und Lebenszyklus) und ihre Bedeutung als wirtschaftliche undgesellschaftliche Grundlage der bäuerlichen Gesellschaft ausgerich-tet, und ich bin dabei jenem Forschungsmodell gefolgt, das vonHistoriker/ inne/ n wie Peter Laslett, Tamara Hareven oder MichaelMitterauer als den wichtigsten Familienforscher/ inne/ n entwickeltworden und das durch einen demographischen und später auchhistorisch- anthropologischen Zugang charakterisiert ist. Ursprüng-lich war meine Absicht, bei der Rekonstruktion der Familienstrukturund der wirtschaftlichen Strategien die Familienfotografie nur alsIllustration zu verwenden. Schließlich habe ich aber gemerkt, dasssie viel mehr bedeuten, dass sie ihre eigene Botschaft transportierenund dass sie auch entsprechend behandelt werden sollten.1Zwischen den beiden Weltkriegen war Kroatien- zumindest was diebäuerliche Bevölkerung betrifft- noch weit davon entfernt, ein Sozi-alstaat zu sein, und hatte jene wirtschaftlichen Probleme, mit deneneine vorherrschend bäuerliche Gesellschaft( in der 75% der Bevöl-kerung von der Landwirtschaft leben) im Zuge des Modernisierung-prozesses konfrontiert ist. Vor allem ein Problem schien ausweglos:agrarische Überbevölkerung auf der einen Seite, und auf der anderendie Unmöglichkeit, dieses Arbeitskräftepotential in den Städten zubeschäftigen. Allerdings benötigte man in der Landwirtschaft weil

1 Soweit mir bekannt ist, ist der einzige Versuch, die Familienfotografie als Quelleanthropologischer Forschung heranzuziehen, von Vedrana Spajić- Vrkaš( 1995)gemacht worden; ansonsten steckt dieser Ansatz in Kroatien noch in den Kinder-schuhen.

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