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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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Über die Grenzen der Visuellen Anthropologie

Anmerkungen zu den Familienfotos aus demKriegsgefangenenlager Wieselburg/ Niederösterreich( 1914-1918)

Ulrich Hägele

Das Eldorado eines jeden Fotoforschers ist das Bildarchiv. In deneinschlägigen Museen, Bibliotheken und Behörden lagert eine fastunüberschaubare Menge von Einzelfotografien, Konvoluten undKnipseralben. Einmal dort angekommen, verfliegt die anfänglicheEuphorie freilich sehr schnell. Viele Archive bewahren Fotografiennoch immer ungeordnet in Kartons auf. Meist fehlen Signaturen undInventarnummern, auch die Datierung ist mangels Beschriftungschwierig. Dementsprechend wenig kann über die abgebildeten Per-sonen und über den Entstehungskontext der Bilder gesagt werden.In diesem Zusammenhang hat sich Paul Hugger dafür ausgespro-chen, nur solche Bilder für visuell- anthropologische Studien heran-zuziehen, die ,, entzifferbar ¹ sind, deren Quellenlage gesichert ist. Zueinem ähnlichen Ergebnis ist die Expertenkommission zur Überprü-fung der Hamburger Wehrmachtsausstellung gekommen. In ihremAbschlussbericht empfiehlt sie für wissenschaftliche Abhandlungenund Ausstellungspräsentationen ausschließlich solche Fotografien,deren Entstehungszusammenhang sich eindeutig nachweisen läßt.²Dies aber würde bedeuten, dass der allergrößte Teil der visuellenArchivbestände nicht bearbeitet werden kann und dementsprechendfür die Forschung wertlos ist. Ähnliches gilt für die privaten Fotoar-chive. Nach dem Tod eines Knipsers können dessen Familienange-hörige oder Freunde die Geschichte der gesammelten Fotografienohne schriftliche Aufzeichnungen nur schwer lückenlos rekonstruie-ren. Die Bilder verlieren zwar nicht ihre Authentizität, sie werdenjedoch vielfach zu stummen Zeugen degradiert und damit von ihremsoziokulturellen Kontext abgelöst, so dass ihr gesellschaftliches Um-feld kaum mehr geortet werden kann ³. Dieser nicht umkehrbareAutomatismus legt uns Fotokundler/ innen heute kaum überwindbare1 Paul Hugger: Der schöne Augenblick". Schweizer Photographen des Alltags.Zürich 1989, S. 26.

2 Vgl. Omer Bartov, Cornelia Brink, Gerhard Hirschfeld u.a.: Bericht der Kommissionzur Überprüfung der Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht1941 bis 1944". O.O. November 2000.

3 Hugger( wie Anm. 1), S. 24.

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