Entstehung der ethnographischen Foto- undFilmsammlung am Mährischen Landesmuseumin Brünn
Hana Dvořáková
Im Jahr 1902 kündigte die zeitgenössische Presse die Einrichtungeines Fotoarchivs im heutigen Ethnographischen Institut des Mähri-schen Landesmuseums Brünn an:„ Die Abteilung für Volkskunde derMährischen Museumsgesellschaft beabsichtigt unter anderemnach dem Vorbild des Photographischen Museums für sächsischeVolkskunde in Dresden die Gründung eines PhotographischenMuseums für mährische Volkskunde in den Räumlichkeiten desFranzensmuseums und sammelte zu diesem Zweck bereits zahlrei-che photographische Aufnahmen( meistens Platinotypien), die inHüllen nach Volksstämmen aufbewahrt werden."
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Die Ethnographie gehörte in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts zujenen wenigen Wissenschaftsdisziplinen, die sich sehr schnell dergroßen Möglichkeiten bewusst wurden, die sich mit der ErfindungDaguerres ergaben. Trotz anfänglicher technischer Schwierigkeitenerfüllte die Fotografie die Anforderungen der„ getreuen Abbildung"weitaus besser als die bisherigen Dokumentationstechniken wie dieMalerei( die noch dazu von den künstlerischen Fähigkeiten desMalers abhängig war). Die junge Erfindung wurde dabei nicht nur zurDokumentation exotischer Glossar ::: zum Glossareintrag exotischer Thematik im Zuge von Exkursionen ein-gesetzt, sondern- im Geiste zeitgenössischer nationalistischer Ten-denzen auch für die Darstellung von Belegen der traditionelleneinheimischen Kultur. Und als gegen Ende des 19. Jahrhunderts sichdie Vertreter der jungen tschechischen Intelligenz des unaufhaltsa-men Untergangs des Dorflebens in seiner überlieferten Form be-wusst wurden und folglich Architektur, Trachten und Sitten in ihremursprünglichen Milieu ,, in letzter Minute" festhalten wollten, bedientensie sich ebenfalls der Fotografie als Mittel zur genauen Abbildung der,, Realität“. Für die Volkskunde haben zum einen jene professionellenKabinettfotos aus dieser Zeit, auf denen die Landbevölkerung in ihrerFesttracht, in der Regel anläßlich eines Besuches in der Stadt,gezeigt werden, hohen dokumentarischen Wert und zum anderenBilder, die von Amateurfotografen auf ihren Reisen durch südmähri-sche und slowakische Dörfer, wo die traditionelle Kultur noch ,, in situ"zu beobachten war, gemacht worden sind.( Erinnert sei in diesem
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