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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
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Familiengeschichten- Geschichte der Familie

Gedanken über das Familienalbum

L'uba Herzánová

Ich schaue mir gern Familienfotos an und zwar nicht nur dieFotoalben von Menschen, die ich kenne, sondern auch Fotos von mirunbekannten Personen. Die Welt, die in diesen Bildern gezeigt wird,sieht meistens viel interessanter und glücklicher aus als die Welt, inder man selbst lebt und die wir gewohnt sind, die, reale' zu nennen.Und so geben uns solche Bilder immer auch die Möglichkeit, mehrals diese gewohnte Welt zu sehen, eröffnen uns eine neue Welt-und sei es auch eine Scheinwelt. Wirklich bewusst ist mir das allesgeworden, als ich im Juli 2000 die Ausstellung in Kittsee gesehenhabe.

In meinem Beitrag will ich mir ein paar Gedanken über die Objektivitǎtund die Vertrauenswürdigkeit von Familienfotosammlungen im Hin-blick auf die Familienforschung machen. Dabei war es die schlichteVerwunderung über die Tatsache, dass sich das Fotoalbum meinerFamilie( vor allem in der Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts)als so viel ärmer erwiesen hat als die Alben einiger anderer Familien,die ich gesehen habe, die mich zu einer auf den ersten Blick wohlebenso einfachen Frage veranlasst hat: Welche Aussagekraft hateine Familienfotosammlung? Was kann sie über die Geschichte einerFamilie erzählen?

Etela Farkašová bezeichnet in ihrem Artikel Wahrheiten und Unwahr-heiten der Familienfotografie die Fotografie als eine spezifischeMöglichkeit und Art, Familiengeschichte zu ,, schreiben und erläutertin diesem Zusammenhang zwei konträre Auffassungen von Fotogra-fie: die moderne und die postmoderne. Nach ersterer ist die Fotogra-fie eine adäquate Methode, den Lebenslauf objektiv wiederzugeben,denn so wurde es während des ganzen 19. Jahrhunderts gese-hen die Kamera lüge niemals. Dieser Sicht hält die postmoderneKonzeption die Überzeugung entgegen, dass auch ein Foto nie fürsich selbst zu sprechen vermag, sondern stets der Interpretationbedarf( vgl. z.B. Lüdtke 1993, S. 394).

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Tatsächlich haben wir es bei der Fotografie mit einer Art Paradoxonzu tun: Das Wesen der Fotografie liegt in dem Bemühen, die Zeit,das Vergehende also, festzuhalten, in dem Versuch, die Realitäteiner( jeweiligen) Gegenwart zu zeigen- doch in dem Moment, in

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