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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
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Fotografie und Volkskunde/ EuropäischeEthnologie

Einige Überlegungen zur Einführung in das KolloquiumSusanne Breuss

,, Nicht der Schrift-, sondern der Photographieunkundige wird, so hatman gesagt, der Analphabet der Zukunft sein 1, vermerkte WalterBenjamin in seiner 1931 erschienenen Kleinen Geschichte derPhotographie". Die von Benjamin angesprochene weitreichende Be-deutung der Fotografie als neues Bildmedium wurde bereits in derZeit der Entstehung der Fotografie erkannt und eingehend erörtert,im 20. Jahrhundert erfolgte im Kontext der zunehmenden Massen-haftigkeit und Ausdifferenzierung der fotografischen Bildproduktioneine weitere Intensivierung der theoretischen Reflexion. Trotz derallerorten konstatierten enormen kulturellen Bedeutung der Fotogra-fie( die sich nicht auf das Abbilden und Dokumentieren und nicht aufdie Bilder selbst beschränkt: fotografische Bilder sind darüber hinausunter anderem auch Kommunikationsmittel, Instanzen der Wissens-vermittlung und Wahrheitsproduktion, Vehikel der Weltaneignungund Mittel ästhetischer Produktion, sie prägen Erinnerung und Ge-dächtnis und konstituieren Identitäten) setzte sich die Volkskun-de/ Europäische Ethnologie lange Zeit nur vereinzelt mit fotografi-schen Bildern und der fotografischen Praxis auseinander. Dass dieFotografie kaum zu einem Forschungsgegenstand des Faches ge-macht wurde, mag teilweise mit der weitverbreiteten und häufigaffektbeladenen Technik- und Industriefeindlichkeit zu erklären sein,verwundert aber doch angesichts der kaum zu überschätzendenkulturellen Bedeutung der Fotografie. Der mangelnden volkskundli-chen Auseinandersetzung mit der Fotografie auf einer inhaltlichenund theoretischen Ebene steht allerdings ein eifriger Gebrauch derFotografie als Dokumentations- und Illustrationsmittel gegenüber-sie diente schon früh als ein willkommenes Konservierungsmittelentschwindender traditioneller Kultur. Ausgeblendet blieb dabei je-doch in der Regel die Frage nach den spezifischen Eigenschaftenund Aussagemöglichkeiten der Fotografie als Dokumentationsmittel

1 Walter Benjamin: Kleine Geschichte der Photographie. In: ders.: Das Kunstwerk imZeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit. Drei Studien zur Kunstsoziologie.Frankfurt am Main 1963, S. 45-64, hier S. 64.

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