Familienfotos als Quelle für weitereethnologische Forschung
Barbara Sosič
Bald nach meiner Anstellung in der Dokumentations- Abteilung desSlowenischen Ethnographischen Museums vor nunmehr einem Jahr-zehnt begann ich, das Fotoarchiv zu ordnen und versuchte, mit derriesigen Anzahl hier lagernder Fotografien fertig zu werden. Ich warvon all den alten Bildern fasziniert und verbrachte zunächst auch vielZeit damit, sie bloß zu betrachten. Es sind vor allem Abbildungen vonMenschen, die landwirtschaftliche Arbeiten verrichten, von verschie-denen Handwerkern und von Familien, die in ihrem Alltagsleben undan Feiertagen abgebildet wurden.
Was macht Familienfotos so nützlich für die ethnologischeForschung?
Familienfotos aufzunehmen und aufzubewahren ist ein Brauch, dertief im Wertesystem des Menschen wurzelt. Jedermann( oder, umgenau zu sein: der durchschnittliche Europäer) fühlt das Bedürfnis,sich selbst, seine Familie und auch sein Eigentum auf diese Art,, unsterblich" zu machen und der Umwelt vorzuführen. Abgesehenvon individuellen Porträts bewahren die Leute auch Übergangsritenwie Taufe, Geburtstage, Kommunion, Firmung, Mittelschulab-schluss, Universitätsabschluss, Hochzeiten und Begräbnisse für dieNachwelt; andere Anlässe für das Fotografieren waren Wallfahrten,Urlaube und Reisen- also alles keine alltäglichen Ereignisse.In seinem Artikel über Familienalben bemerkt Milivoj Vodopija:„ Fa-milienphotographien unterscheiden sich von wissenschaftlichen,künstlerischen oder dokumentarischen Photos ob sie von einem
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Amateur oder einem Berufsphotographen und gleich in welcherUmgebung sie aufgenommen werden darin, daß sie Informationüber die Lebensweise der Leute( im weitesten Sinn) liefern. InHinsicht auf die unbestrittene Genauigkeit bei der Darstellung vonTatsachen bieten sich Photographien für alle Zugänge von ethnolo-gischer Forschung an, also für den strukturellen, den funktionellenoder den geschichtlichen Zugang."( Vodopija 1976, S. 25)
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