gesellige Zusammenkünfte- offizielle und private-, die als notwen-diger Bestandteil ihrer sozialen Rolle galten: Die Teilnahme an offi-ziellen gesellschaftlichen Veranstaltungen in der Stadt, an Konzer-ten, Bällen, karitativen und Sporttreffen, war Ausdruck ihrer Bezie-hung zur Umgebung, in der sie arbeiteten und lebten.
Zu beliebten Kulturveranstaltungen gehörten in Trenčín etwa die,, Literarischen Donnerstage"- Begegnungen der Einwohner vonTrenčín mit Dichtern und Schriftstellern im Café des„ Tatra", desbekanntesten hiesigen Hotels.
,, Wir hatten den Literaturdonnerstag... Da haben wir einen Schriftstellereingeladen und über ein Thema diskutiert. Sehen Sie, wie viele Men-schen dort waren. Weil jeder hingegangen ist, jeder wollte ein wenigkulturell leben, ein wenig Bescheid wissen... Das war wie ein Café, dortwurde serviert, ein Kellner stand dort."( Fotografin M. H., Autorin derAufnahme, 1898)
Die Gründe der Teilnahme an dieser oder einer ähnlichen Veranstal-tung konnten aber auch sehr pragmatische sein:
„ Die Gewerbetreibenden sind immer hingegangen[ zu einer gesellschaft-lichen Veranstaltung, A.d.V.], erstens war das eine Werbeaktion, unddann natürlich, der Gewerbetreibende lebt von diesen Einwohnern, alsomusste er das unterstützen."( M, 1917)
,, Ich musste repräsentieren... Ich musste mich sehen lassen... Bei derKasse dort gab ich fünfhundert Kronen oder so, trank einen Wein undging nach Hause."( M, 1917)
Unter den Fotografien in den privaten Fotoalben haben diejenigeneine Sonderstellung, die das Familienunternehmen, das Geschäftzusammen mit dem Inhaber und den Mitarbeitern festhalten. Siedokumentieren einen der anerkanntesten Werte der Gewerbetrei-benden: die Firma, das Vermögen. Zugleich aber sind sie ein Bilddo-kument, aus dem weitere interessante Informationen abgelesen wer-den können. In erster Linie bestätigen sie die Tatsache, dass einegewerbetreibende oder Kaufmannsfamilie vor allem für das Unter-nehmen gelebt hat: In der Regel arbeiteten die Frauen im Betrieb mit,um die Kinder kümmerten sich Erzieherinnen bzw. die Großeltern,und auch ältere Kinder halfen bei weniger anspruchsvollen Verrich-tungen. Die Gewerbetreibenden bezeichneten die Familie als denprimären Wert auf ihrer Werteskala, aber die Tatsache, dass dasFamilienleben öffentlich gelebt wurde und das Privatleben eine Sel-tenheit gewesen ist, bestätigt nur den Widerspruch zwischen demIdeal und der Realität des Alltags.
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