geworden ist"( Kunt 1990, S. 121), dann stellt das Fotoalbum in derBürgerfamilie einen Komplex von Informationen über diese Familiedar: wie sie ist( bzw. war) und gleichzeitig, wie sie sein wollte( wie sievon der Umwelt wahrgenommen werden sollte).
Die Atelieraufnahmen zeigen die Menschen in einem künstlich geschaf-fenen Raum, der- mit Hintergrund, Möbel, Beiwerk und Requisiten-die Geschmacksnormen und Werte der bürgerlichen Schicht widerspie-gelt. Die Gestalten posieren oft in stilisierter Haltung, ihre Gesamtkom-position, die Gesten und der Ausdruck haben eine gewisse DosisZeitsentiment in sich. Sie sind aus dem Kontext des Alltags herausge-rissen, und nicht nur die Kleidung, sondern auch die auf den Atelierfo-tografien aufgenommene Atmosphäre bestätigt die Außergewöhnlich-keit des Zeitpunkts der Aufnahme. Tatsächlich war das auch so, denndie Menschen haben ein Fotoatelier meist aus besonderen Anlässenaufgesucht- Hochzeit, Firmung, erster Schultag( oft weit weg vonZuhause), Wehrdienst, Familienjubiläen usw. Gerade diese auẞerge-wöhnlichen Ereignisse wollten ja die Menschen verewigt haben, und ihrBestreben war es, auf den Fotografien so auszusehen, wie sie in ihrerfamiliären, aber auch in ihrer weiteren lokalen Umgebung aussehenwollten. Die Fotografien sind solcherart ein Dokument ihres Sozialsta-tus'.
..Zu mir ins Atelier kamen sie sowohl aus der Stadt als auch aus dem Dorf.Sie zogen sich immer schön an. Sie zogen sich auch um, ich hatte einenkleinen Salon nebenan, also dort. Sie wollten Hochzeitsbilder, mit Kin-dern... je nach dem Menschentyp, was für Haar, Augen er hatte, was esfür eine Fotografie war, änderte ich den Hintergrund und die Beleuch-tung."( F, 1898)
Die Sujets der Amateurfotos sind weiter gestreut. Neben den erwähn-ten besonderen Ereignissen werden hier die Menschen in ihrerFreizeit gezeigt: auf der Ortspromenade, dem„ Korso“, bei einemAusflug in der Natur, beim Sport, beim Besuch von historischenDenkmälern. Auch gesellschaftliche und kulturelle Veranstaltungenin der lokalen Gemeinschaft fehlen nicht. Insbesondere in den Fami-lien der Gewerbetreibenden waren Fotografien verbreitet, die dieberufliche Richtung und die Arbeitsumwelt dokumentierten. SolcheAufnahmen waren auch oft Bestandteil einer an die Öffentlichkeitadressierten Werbung.
Familienfotografien mit Freizeit- Thematik waren ein Ausdruck derVerschiedenartigkeit der Aktivitäten ihrer Akteure. Bei ihrer Dekodie-rung hat mir die Kenntnis der Umstände geholfen, in der die Vertreterder betreffenden Schicht gelebt haben. Im konkreten Fall der StadtTrenčín haben die Gewerbetreibenden einen wesentlichen Teil der
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