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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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zigartigkeit verleihen- z.B. Hochzeit für die einen, Hausstandsgründung( pendaison de la crémaillère) für die anderen- lassen sich offensichtlichauch formelle Konstanten feststellen. Abgesehen von der heute so gutwie ausschließlich verwendeten Farbfotografie läßt sich das Abhanden-kommen der gestellten fotografischen Pose zugunsten des spontanenBildes beobachten; weiters kann eine beträchtliche Vermehrung vonBildern einzeln fotografierter Kinder und schließlich das bildmäßigeFesthalten von neuen, intimeren Situationen- etwa die Entbindung derFrau oder das Stillen des Kindes- vermerkt werden.

Die Analyse der Autorin erfasst folgende Aspekte: Du sourire obligéau sourire spontané; L'enfant dans l'album de famille; De la photo,, traditionelle" à la photo affective; und schließlich L'album de photos:une mémoire normative. Und sie gelangt von hier aus zu den Schlüs-sen: Die Familienfotografie hat einerseits stets das Ziel, die ,, schönenAugenblicke"( les bons moments) zu erfassen, um deren Existenz zubestätigen, und andrerseits kommt ihr die Funktion zu, die Erinnerungan diese stets wachzurufen und auf diese Weise zu perpetuieren.Diese anschaulichen und affirmativen Eigenschaften sind die Grund-lage für das Familienalbum als Gedächtnis der Indentität und desWertes der Gruppe. Diese Normativität ist die wichtigste Charakteri-stik des Familienalbums.

Der Essay in Buchform Photos de famille aus dem Jahre 1994 ist einliterarisches Werk der anerkannten Romanautorin Anne- Marie Garat,die, das sei hier angemerkt, für ihrem Roman Aden den begehrten,, Prix Femina 1992" erhalten hat. Anne- Marie Garat unterrichtet dasFach Film und Fotografie und sammelt seit langem Familienfotos,weil sie, wie sie sagt, diese anonymen und an und für sich wertlosenBilder liebt und sich von ihnen innerlich bewegt fühlt. In jedem Hausbefinde sich mindestens ein Buch( das zugleich ein Roman ist),nämlich das Album mit Familienfotografien. Dieses Buch wird nichtausgeliehen, nicht verkauft, es hat keinen Preis und ruft Emotionennur bei denjenigen hervor, deren Geschichte darin erzählt wird. Unddiese Geschichte ist für jedermann dieselbe Geschichte. Die Samm-lung von Bildern, welche die Autorin für sich zusammengetragen hat,stellt für sie ein persönliches imaginäres Familienalbum dar, einAlbum unbekannter und zugleich vertrauter Gesichter. Aus diesenhabe die Autorin erfahren, was sie als Schriftstellerin sucht: einebestimmte Beziehung zur Welt und zu deren Darstellung. In dichte-rischer Überhöhung legt sie die mit ihrem Buch verbundene Absichtdar: Es soll erhellen, es soll sagen, welches Licht, welche Einsichtvon diesen bescheidenen Bildern als Roman des gewöhnlichenLebens ausgeht. Es möge als leise Stimme die Sprache von Schattenund Licht der Fotografie vernehmen lassen.

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