Fotokamera. Ein schriftlicher Nachlass, der einen Einblick in BraunsInteressen und Ansichten vermitteln könnte, existiert nicht- wirwissen nur, dass er Vorsitzender der jüdischen Gemeinde vonUherské Hradište war, auch eine Wohnung in Wien sein eigen nannteund oft und gerne auf Reisen war.
Fotografisch- ethnografische Zusammenhänge
Zur Jahrhundertwende war Uherské Hradište nicht nur das ökonomi-sche, sondern auch das kulturelle Zentrum der Region- und die hierdamals noch lebendige Volkskultur war eine wichtige Stütze jenesimmer stärker werdenden nationalen Selbstbewusstseins, dasschließlich zur politischen( staatlichen) Unabhängigkeit führen sollte.So ist es nicht verwunderlich, dass diese Kleinstadt eines der Zentrender Sammel- und Forschungsaktivitäten war, wie sie durch die,, Tschechisch- slawische ethnographische Ausstellung" 1895 ausge-löst worden waren. In Uherské Hradište hatte sich auch der Zentral-ausschuss für die Vorbereitung der Ausstellung konstituiert: Schließ-lich lehrte am dortigen tschechischen Gymnasium von 1894–98 derbereits erwähnte Forscher, Sammler und Fotograf Josef Klvaňa. Undauch František Kretz sammelte und forschte in Uherské Hradište überStickereien und Keramik. Kretz gab damals, um seine Reisen, Samm-lungen und Ankäufe finanzieren zu können, Klavierstunden- undzwar unter anderem in der Familie des Josef Braun, der sich ebenfallsals Sammler von Stickereien, Trachten und Ostereiern betätigte. Undals dann Erwin Raupp, ein professioneller Dresdner Fotograf, 1904nach Uherské Hradište kam, wurde ihm František Kretz als Führer,Berater und Dolmetscher empfohlen. Zur Zeit von Raupps Aufenthal-ten in der Mährischen Slowakei entstanden auch die Fotos von JosefBraun. Ihr Vergleich zeigt gewisse Berührungspunkte im Sujet( Marktplatz, Wallfahrtsort, spielende Kinder) und in der Komposition.
Technik, Methode, Thema
Josef Braun stellte ausschließlich Glasplattennegative im Format von9 x 12 cm her, es existieren keine Autorenpositive. Die Aufnahmen-die bis auf eine Ausnahme alle im Querformat gehalten sind- wurdenzwischen 1901 und 1910 in den Ortschaften der heutigen BezirkeUherské Hradište und Hodonin angefertigt, also in der unmittelbarenUmgebung der Gemeinden, in denen Braun und seine Familie lebte.Alle Fotos sind relativ genau datiert und lokalisiert, was ihren Doku-mentarwert noch erhöht. Abgesehen von Portraitaufnahmen
-
sein
18