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Forschungsfeld Familienfotografie : Beiträge der Volkskunde / Europäischen Ethnologie zu einem populären Bildmedium ; Referate der 2. Kittseer Herbstgespräche am 20. und 21. Oktober 2000 anlässlich der Jahresausstellung "familienFOTOfamilie" von 16. April bis 5. November 2000
Entstehung
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Vollständigkeit im Sinne einer umfassenden Systematik oder Pro-grammatik. Ausgangspunkt der Überlegungen sind vor allem jeneFragen und Themenfelder, die für die inhaltliche Konzeption derAusstellung familien FOTO familien im Ethnographischen MuseumSchloss Kittsee eine Rolle gespielt haben³, und des weiteren solche,die sich im Kontext aktueller Schwerpunkte und Debatten im Fachals besonders anschlussfähig erweisen könnten. Bezugspunkt istalso in erster Linie die private Fotopraxis, im speziellen die Familien-fotografie, was jedoch eine über diesen fotografischen Bereich hin-ausreichende Relevanz der dabei aufgeworfenen Fragen keines-wegs ausschließt. Die folgenden Überlegungen berühren vor allemdrei große Fragenkomplexe( die allerdings nicht scharf voneinanderzu trennen und in sich noch sehr viel weiter ausdifferenzierbar sind,als dies in der hier gebotenen Kürze möglich ist): die Bedeutung derFotografie und des Visuellen ganz allgemein im Modernisierungspro-zess; die Bedeutung der Fotografie für Erinnerung, Gedächtnis undIdentität; die Bedeutung der Fotografie in der Geschichte der Volks-kunde/ Europäischen Ethnologie sowie mögliche auf Fotografie be-zogene Forschungsperspektiven im Rahmen des Faches.Fotografie ist eine sozio- kulturelle Praxis, die in gesellschaftlichenund kulturellen Kontexten stattfindet und ihre Bedeutungen vor allemdurch Zuschreibungen und Verwendungszusammenhänge gewinnt4.Es ist unerläßlich, einer genaueren Betrachtung der Fotografie zu-nächst einmal grundsätzlich die Frage nach der kulturellen Bedeu-tung von Bildern voranzustellen und die Fotografie in eine Geschichtedes Visuellen und des Sehsinns einzubetten, der seinen zentralenStellenwert in der Hierarchie der Sinne erst mit der Moderne erlangte.Je unsicherer die Welt mit der Auflösung traditioneller Sozialstruktu-ren wurde, desto stärker traten neue Verhaltensstandards als verge-sellschaftende Bilder in den Vordergrund. In dem Maße, in dem sichder Mensch mit wachsender Abhängigkeit an anderen orientierenmusste, erlangten Bilder als genuine Mittler der Vergesellschaftungzentrale Bedeutung 5. Die Vermittlung gesellschaftlicher Normen undRegeln verlagerte sich von der Ebene der Erfahrung immer mehr auf3 Vgl. Susanne Breuss: Erinnerung und schöner Schein. Familiäre Fotokultur im 19.und 20. Jahrhundert. In: Matthias Beitl, Veronika Plöckinger( Hg.): familien FOTO-familie. Begleitbuch zur Jahresausstellung 2000 im Ethnographischen MuseumSchloss Kittsee vom 16. April bis 5. November 2000(= Kittseer Schriften zur Volks-kunde. Veröffentlichungen des Ethnographischen Museums Schloss Kittsee,Bd. 11). Kittsee 2000, S. 27-63; Matthias Beitl, Susanne Breuss, Veronika Plöckin-ger: familien FOTO familie. Ein Ausstellungsprojekt im Ethnographischen MuseumSchloss Kittsee. In: Neues Museum. Die österreichische Museumszeitschrift, Nr. 3.u. 4/1999, S. 12-17.

4 Jäger( wie Anm. 2), S. 79.

5 Vgl. Thomas Kleinspehn: Der flüchtige Blick. Sehen und Identität in der Kultur derNeuzeit. Reinbek bei Hamburg 1989.

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