Nr. 49
Der überlistete Raubritter
Auf der Burg Aggstein( nach anderer Meinung zu Dürrenstein) hausteeinst ein Raubritter, der die Donau mit einer Kette absperren konnte,wenn die reichen Handelsschiffe von Linz nach Wien fuhren und um-gekehrt. Da kam der Herzog von Österreich, bei dem die BürgerschaftBeschwerde erhoben hatte, auf den Einfall, ein Trug- Schiff die Donauherabfahren zu lassen. Zu dem Zwecke wurde ein festes, großes Schiffhergerichtet, oben mit Kisten und Fässern beladen, wie es bei den Kauf-mannsschiffen üblich war, aber unterhalb verbargen sich gewappnete undgerüstete Mannschaften. Als das Schiff gegen Aggstein kam, wurde eswie gewöhnlich aufgehalten, und die Schiffsleute sollten alle Waren amUfer abladen. Auf einmal stürzten die Bewaffneten aus dem Versteckeim Schiffe hervor, überwältigten die Spießgesellen des Raubritters undnahmen ihn selbst gefangen, der dann für immer unschädlich gemachtwurde.
( Aus: Franz Kießling, Frau Saga im niederösterreichischen Waldviertel. Wien1924, Band 5, Nr. 117)
Nr. 50
Die Hunde von Kuenring
Die Kuenringer Hadmar III. auf Aggstein und sein Bruder Heinrich I.zu Weitra waren die ärgsten Freibeuter zu Beginn des 13. Jahrhunderts.Sie nannten sich selber„ Die Hunde von Kuenring". Das ganze Landseufzte unter ihren Räubereien, selbst die Städte Krems und Stein wur-den von ihnen im Jahre 1231 eingeäschert. Durch eine eiserne Kettesperrte Hadmar bei Aggstein die Donau und raubte die Schiffe aus.Noch lange waren die Reste eines Wartturmes zwischen Schönbühel undAggstein, des Blashauses, zu sehen, wo das Horn seiner Wächter dienahenden Schiffe verkündete. Endlich trat Herzog Friedrich der Streit-bare als Rächer der vielen Greueltaten auf. Er erstürmte Zwettl. Hein-rich flüchtete darauf zu seinem Bruder nach Aggstein, der in diesemunbezwingbaren Horste der Feinde spottete, aber in seine eigenenSchlingen fiel.
Ein Wiener Kaufmann, namens Rüdiger, der durch Hadmar schon vielenSchaden erlitten hatte, begab sich im Einverständnisse mit Friedrichnach Regensburg, rüstete dort ein starkes, stattliches Schiff aus, in dessenunterem Raume 30 Reisige des Herzogs sich verbargen. Mit ausgesuch-ten Handelswaren fuhr der Kaufherr nun gegen Wien. Das Schiff wurde
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