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Die Kuenringer in Sage und Legende
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4. Ritter Hadmars Abschied

Nr. 20

Hadmar von Kuenring näherte sich schon dem Greisenalter. Seinetheure Lebensgefährtin Euphemie ruhte in der Erde. Seine beiden Söhnestanden als Männer vor ihm, stark genug, vielleicht zu kräftig, das An-sehen des Hauses zu behaupten. Dieser aufrechte Stand der Familienver-hältnisse, so wie die ausschließende Richtung, die Hadmar's Geist seiteinigen Jahren nach dem beschauenden Leben des Glaubenssinnes ge-nommen, bestimmten ihn die Glorie des Kreuzes zu verfechten. VorAntritt der Pilgerfahrt machte er eine Erbvertheilung seiner sämmtlichenGüter zwischen seinen beiden Söhnen. Heinrich, der Ältere, bekamWeitra zum Stammsitze, Hadmar, der Zweitgeborne, die Burgen Dürn-stein und Aggstein an der Donau. Die übrigen Besitzungen wurdengleichmäßig zwischen beiden getheilt. Die Mitgift der Tochter war schonfrüher ausgefolgt worden. Auch Kloster Zwettl wurde in Gnadenbedacht.

Ergreifend war Hadmar's Abschied von den Seinen. Ein feierlicher Zugwallte unter Glockenklang in die festlich ausgeschmückte Kirche derAbtei. Die Klosterbrüder mit ihrem Vorsteher zogen gesenkten Hauptesvoran. Ihnen folgte leidend, doch entschlossen, der alte Ritter. Zu beidenSeiten schritten seine Söhne, und eine zahllose Menge von Lehensleuten,Knappen, Dienern und Landleuten drängte sich nach. Die heilige Hand-lung begann. Andacht läuterte die Wehmuth zur reinsten Hingebung.Wie Friedensharmonie der Abgeschiednen ertönte der ernst getragneChoralgesang der Ordensbrüder. Nach Beendigung des Gottesdienstessprach Hadmar mit tiefbewegter Stimme: Ich werde diese Mauernnicht wiedersehen. Tretet näher meine Söhne, und empfanget meinenSegen." Die Söhne knieten nieder, und des Vaters ehrwürdige Handruhte auf ihrem Haupte. Dann gab er seinem ältern Sohne Heinrichein silbernes, reich mit Gold belegtes Wehrgehäng, und sprach: DieserGürtel binde dich an die unbefleckte Ehre deines Hauses." Seinem Lieb-linge, dem jüngern Hadmar, steckte er einen goldenen Ring an denFinger mit den Worten: Dieß Reiflein trage zur fortwährenden Erin-nerung an deinen Vater." Beide aber ermahnte er zur ritterlichen Treue,und verpflichtete sie zur Beschützung des Klosters. Zu den Mönchengewendet, sagte er mit erschütterter Stimme: Euch, ihr Lieben! empfehleich meinen Leichnam; falls ich aber in der Ferne stürbe, so versenktmein Herz und meine rechte Hand in die Gruft meiner Väter." Dannwarf er sich vor dem Altare nieder, und verrichtete ein stilles Gebeth.

5 Schindler, Die Kuenringer

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