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Die Kuenringer in Sage und Legende
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8. Das Bauopfer von Gobelsburg

Nr. 38

Der Baumeister von Gobelsburg

Als das uralte Schloß in Gobelsburg, an dessen Stelle heute ein wenigeraltes steht, erbaut werden sollte, ließ der Bauherr, ein Graf, bekanntgeben, daß nur jener Baumeister die Arbeit bekäme, der sich verpflichte,das erste lebende Wesen, das nicht in die Burg und zum Baue gehöreund diese beträte, festzunehmen und einzumauern. Dem wollte keinerder Baumeister zustimmen und nur ein junger, noch nicht verheirateter,unterschrieb den Vertrag des Grafen. Der Bau begann, schritt aber nurlangsam fort, wie es eben in sehr alten Zeiten schon so Brauch war. ImLaufe der Jahre vergaß auch der Baumeister, der unterdessen geheiratethatte und ein Töchterlein sein eigen nannte, ganz auf die grausame Be-stimmung im Bauvertrage. Als nun endlich die Burg vollendet war, bisauf einen vom Bauherrn bestimmten Pfeiler, an dem nicht weiter ge-mauert werden durfte, und zu dem Zwecke eine Festlichkeit stattfand,trat des Baumeisters Kind in die Torhalle, um dem Vater eine Botschaftzu überbringen. Da stürzten sich Bauleute, über Befehl des Grafen, derbeim Feste anwesend war, auf das Kind, schleppten es zum halbfertigenPfeiler und mauerten es ein. So sehr sich der Vater auch dagegen wider-setzte, so mußte er schließlich dem Wortlaute des von ihm unterschrie-benen Vertrages entsprechen. Als man, nach Jahrhunderten die Burgumbaute, fand man in einer Mauernische die Gebeine des eingemauertenKindes.

( Aus: Franz Kießling, Frau Saga im niederösterreichischen Waldviertel. Wien1924, Band 1, Nr. 7)

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